- Update vom 19. Februar 2025 | Reinhold Messner äußert sich: "Tourismus statt Abenteuer"
- Meldung vom 16. Januar 2025 | In nur einer Woche auf den Mount Everest? Xenox macht es möglich
- Mit Xenon in drei Tagen auf 8848 Meter – Innovation oder neues Konsumlevel?
- "Ist der Bergerlebnis-Wert eine Frage der Dauer der Expedition?"
Update vom 19. Februar 2025 | Reinhold Messner äußert sich: "Tourismus statt Abenteuer"@(zwischenHeadlineTag)>
Reinhold Messner äußerte sich kürzlich im "Standard" zu den kontroversen Plänen von Lukas Furtenbach mittels Xenon und Hypoxietraining Speed-Besteigungen des Mount Everest in nur einer Woche zu ermöglichen (siehe Meldung unten). Messner, der dem Beitrag zu Folge jedem gönnt den Everest zu besteigen, sagte anerkennend: "Das ist im Grunde großartig. Ich finde es genial vom Furtenbach, dass er durchschaut hat, was Xenon im Höhenbergsteigen bewirken kann."

Reinhold Messner äußert sich zu Everest-Besteigung mit Xenon.
Messner, der selbst alle 14 Achttausender ohne zusätzlichen Sauerstoff, geschweige denn Xenon, bestiegen hat, sprach sich jedoch dagegen aus, solche Expeditionen als gleichwertig mit früheren Abenteuern zu betrachten: "Hätten die Briten Mallory und Irvine, die 1924 am Everest umgekommen sind, Xenon schon gekannt, so wären sie vermutlich auf den Everest spaziert."
Für Messner bietet das traditionelle Bergsteigen als persönlich verantwortete Unternehmung eine völlig andere Erfahrung als der moderne, kommerzielle Ansatz. Das, was er und Peter Habeler 1978 bei der ersten Besteigung des Everest ohne Flaschensauerstoff erleben durften, sei Abenteuer – sich in einer Woche zum Everest und zurück fliegen zu lassen, hingegen Tourismus und vergleichbar damit, sich in einer Kapsel zum Meeresgrund bringen zu lassen.
Meldung vom 16. Januar 2025 | In nur einer Woche auf den Mount Everest? Xenox macht es möglich@(zwischenHeadlineTag)>
Die für alle Außenstehenden nicht selten absurd wirkende Welt des kommerziellen Höhenbergsteigens hat das nächste Level erreicht: Eine als Narkotikum und Dopingmittel gelistete Substanz soll Everest-Expeditionen in einer neuen Rekordzeit ermöglichen. In nur sieben Tagen können Kunden wohl schon bald von daheim zum Gipfel des höchsten Bergs der Erde – und wieder zurück aufs heimische Sofa. So zumindest das Angebot des Expeditions-Unternehmers Lukas Furtenbach ("Furtenbach Adventures").
Bis dato konnte man bei dem hochpreisigen Expeditionsanbieter eine "Flash-Expedition" buchen: Für 100.000 Euro kann man den Everest mit Furtenbach Adventures innerhalb von drei Wochen besteigen. Möglich ist das nur dank minutiöser Vorbereitung und Hightech-Lösungen etwa einem Hypoxietrainingszelt, um den Körper vorab von daheim an die Höhe zu gewöhnen.

Das Wettlaufen der Expeditionsanbieter geht mit Furtenbachs Ankündigung in eine neue Runde.
Weitere Bestandteile des Pakets sind Heliflüge zum Basecamp, Flaschensauerstoff-Flatrate und zwei Begleit-Sherpas pro Person. Alles wird getan, um die Zeit am Berg möglichst kurz zu halten. Wem das absurd erscheint: Das neueste Angebot setzt noch einen drauf.
Mit Xenon in drei Tagen auf 8848 Meter – Innovation oder neues Konsumlevel?@(zwischenHeadlineTag)>
Furtenbach kündigte an, ab der kommenden Frühjahrssaison mit einem Testballon ein neues Angebot starten zu wollen. Dabei komme bei vier britischen Kunden das Edelgas Xenon zum Einsatz, berichtet er der Financal Times. Unter ärztlicher Kontrolle würden diese nach der Ankunft in Kathmandu das Gas inhalieren, um direkt im Anschluss per Helikopter ins Everest-Basecamp weitertransportiert zu werden. Ohne Pause geht es von dort direkt in Richtung der höheren Lager.
Nach nur drei Tagen (!) sollen die Kunden auch schon auf dem Gipfel auf 8848 Metern stehen. Danach geht es zurück ins Basecamp, wo die Klienten nach einer Nacht bereits vom Heli-Taxi nach Kathmandu transportiert werden. 150.000 Euro soll diese "Everest-Spritztour" laut Anbieter kosten, sollte der Test erfolgreich verlaufen und das Angebot in Serie gehen.

Kommerzielle Expeditionen zwischen Südgipfel und der Hillary Step.
Das in Deutschland als Narkotikum verwendete Xenon soll dieses neue Level des kommerziellen Expeditionsbergsteigen möglich machen. Neben seiner in hochdosierter Form einschläfernden Wirkung sorgt das Gas bei Menschen dafür, dass in kurzer Zeit mehr rote Blutkörperchen produziert werden. Die dadurch deutlich erhöhte Sättigung im Blut verschafft dem Körper in sauerstoffarmen Regionen (wie der Todeszone eines Achttausenders) einen entscheidenden Vorteil.
In Kombination mit Flaschensauerstoff dürfte das kaum zu toppen sein, zumal der ungewisse und zeitintensive Akklimatisationsprozess quasi übersprungen wird. Dadurch werden somit auch die (ebenfalls Zeit einfordernden) Wechsel zwischen den verschiedenen Camps obsolet. Vorausgesetzt, das Gas hält, was Furtenbach verspricht. Er experimentiere bereits seit Jahren an sich selbst mit der Wirkung an hohen Gipfeln, gab dieser der Financial Times Auskunft.
"Ist der Bergerlebnis-Wert eine Frage der Dauer der Expedition?"@(zwischenHeadlineTag)>
Sowohl am Aconcagua als auch am Everest habe er Xenon selbst getestet, sagte er. Gegenüber Stefan Nestler (abenteuer-berg.de) gab Furtenbach an, die Substanz immer unter Anwesenheit eines Anästhesisten in einem "klinischen Setting" einsetzen zu wollen. Ein gesundheitliches Risiko für die Kunden bestehe aufgrund der geringen Dosis nicht.
Dass Xenon seit einem Dopingskandal 2014 auf der Liste der verbotenen Substanzen der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) steht, scheint den Unternehmer nicht zu beeindrucken. Auch auf kritische Nachfrage des Journalisten hinsichtlich einer durch das Angebot stattfindenden Unterstützung von "Doping am Berg", weicht Furtenbach aus:
"Es stehen viele Substanzen und Praktiken auf der WADA-Liste, die regelmäßig von vielen Bergsteigern konsumiert bzw. praktiziert werden. Selbst Hypoxie-Zelte standen in Italien bis 2024 auf der Verbotsliste. Und die FIS (Weltverband des Ski- und Snowboard-Sports) hat beispielsweise (Flaschen-)Sauerstoff auf der Verbotsliste, und die WADA überlegt nachzuziehen [...] Zudem befinden wir uns nicht im Wettkampfsport. Per Definition also kein Doping", schrieb er Nestler.
Und stellt die Frage: "Ist der Bergerlebnis-Wert eine Frage der Dauer der Expedition?"




18 Kommentare
Kommentar schreibenDamit trägt dieses Furtenbach aktiv zur weiteren Verschmutzung und bewussten Schädigung unserer Natur bei.
Endlich - kommt das Umdenken! Meine biologische Uhr geht langsam dem Ende zu und ich habe 14 Achttausender weniger wie Reinhold Messner. Plane dieses Jahr die ersten Vier. Sobald eine vernünftige Wettervorhersage - nehme ich den Privat-Jet unseres nächsten Kanzlers und ab geht die Reise. Ob ich auf dem Rückflug noch kurz in Sotschi oder im Mar-a-Lago Club zwischenlande entscheide ich spontan. Berg frei Heinz Buchmann
Übers kommerzielle Bergsteigen und die Expeditionen streitet man sich ja alleweil. Ich finde sie grundsätzlich in Ordnung. Aber diese "Flash"- und "Signature"-Welt, das ist doch wertschätzungsloser Ausverkauf.
Wer so schnell wie möglich hin, rauf, rab und wieder heim muss, der hat keine Begeisterung für den Berg. Der mag da eigentlich gar nicht sein. Dem ist der Berg nix wertvolles, der will bloß das Aushängeschild "Besteigung". Und was soll man von so einem halten?
Um unseren Planeten scheint sich auch nicht wirklich noch jemand Gedanken zu machen. Diese Entwicklung stimmt mich tatsächlich traurig......
Also MountainDoc, vielen Dank für Ihren Bericht! Sie scheinen nicht nur ein guter Bergsteiger zu sein, alle Achtung! Habe ich Sie also richtig verstanden, daß Xenon verhilft, die Akklimatisierungszeit zu verkürzen oder ist das generell "Doping"? (also das man bspw. alle 14 Achttausender in 14 Tagen schaffen kann?). Danke, Bruno
Xenon ist seit 2005 als Narkosegas zugelassen. Um die Frage in anderen Foren zu beantworten, deswegen setzt Furtenbach auf Xenon, nicht auf Argon, welches billiger wäre und die gleiche Wirkung haben soll. Argon ist med. nicht zugelassen!
Xenon erhöht HIF 1alpha (Hypoxie Induced Factor) in der Niere ein Transkriptionsfaktor, hierüber wird Epo erhöht und über Epo die Erythrozyten/ die roten Blutkörperchen, welche Sauerstoff/ O2 transportieren. Epo hat eine Halbwertszeit von 5h, und wird unter Hypoxie physiologisch bis 1000-fach gesteigert. Studien besagen Xenon erhöht Epo um 160%. Erythrozyten werden auf Epo hin gebildet binnen einiger Tage. Mir stellen sich da einige Fragen: Wie kann eine einmalige Xenonveranreichung Vorort so schnell die Erys ansteigen lassen (Vorlauf ca. 5 Tage), dass sofort der Everest möglich ist? Ist die Wirkung Vorort ein Placebo, weil man zuvor im Hypoxiezelt „trainiert“ hat? Oder wird vorher regelmäßig Xenon inhaliert im Training zuhause? Warum wird nicht einfach Roxadustat verwendet, ein Medikament, welches seit 2019 zugelassen ist in Tablettenform für Niereninsuffiziente Patienten zur Erhöhung von HIF 1 alpha? Kostenpunkt hier ca. 40 Euro die Packung, deutlich billiger als Xenon, gleiche Wirkung über HIF 1 alpha auf Epo. Wieso wird Xenon inhaliert und nicht besser dosierbar i. v. gegeben wie in der Radiologie üblich bzw. sogar in der Anästhesie Uni Ulm 1999 ausgetestet?
Liegt eine Vermarktungsstrategie dahinter? 100.000 Euro Flash versus 150.000 Euro Xenon ist ein Wort bei kürzerer Dauer Vorort in Nepal für den Geldbeutel vom Veranstalter. Liegen medizinische Interessen vor von Ärzten die sich auf bislang Unerprobtem profilieren oder habilitieren wollen?
Oder steht hier eine ganz andere Wirkung von Xenon im Vordergrund? Ja, Xenon induziert über HIF 1alpha Epo, um die Wirkung aber zu spüren braucht es min. 5 Tage Vorlauf damit die Erys sich entwickeln können. Was Xenon aber sofort hat ist einen neuroprotektiven Effekt über Hemmung der NMDA-Rezeptoren im Gehirn. Schützt Xenon ggf. vor HACE und das ist der Effekt, welcher Furtenbach selbst bereits im Hypoxiezelt vorakklimatisiert am Aconcagua und am Everest im Selbstversuch erlebt hat?
Wenn ja, weis Furtenbach um den potenziellen Effekt?
Nach einer Fehldosierung bzw. genauer gesagt einer Überdosis mit 6 FE (Flascheneinheiten) Paulaner, habe ich den K2 und Everest sogar an einem einzigen Tag bestiegen. Ob der Manaslu auch noch dabei weiß ich leider nicht mehr.
das ist das problem der menschheit: immer alles machen zu wollen, was auch machbar ist. immer höher - immer weiter - immer "besser" - fast forward. - so sind die kontraste entstanden, die wir heute auf unserem planeten haben.
ein paar superreiche dominieren hunderte millionen hungernder menschen auf der erde - und haben kein problem damit, ihr tun zu rechtfertigen.
im himalaya sind die folgen der entwicklung der letzten jahre offensichtlich: die transportbranche mit portern und yakhirten, lodgebetreiber und händler entlang der trekkingrouten verlieren ihre arbeit. das geld fliesst nun in die taschen weniger fluggesellschaften - und die natur nimmt zunehmend schaden. das alles interessiert (fast) keinen.
die frage ist: wo zieht man die grenzen - und vor allem wer zieht sie? wohin uns das in der DNA des menschen liegende "immer mehr, immer höher, immer weiter" geführt hat, dokumentiert die aktuelle zeitgeschichte - auch im himalaya.
Irgendwie passend zur kranken Zeit in der wir leben..
Unverantwortlich zu was die Gier der Menschen führt
Erstens gehören die Heli Taxi und Transportflüge verboten
Zweitens Doping am Berg
Gesamt betrachtet der totale Irrsinn