Von Großbritannien nach Nepal

Mitchell Hutchcraft vollendet die längste Everest-Besteigung aller Zeiten

In 236 Tagen schwamm, radelte, lief, wanderte und kletterte der Brite von Dover auf den höchsten Berg der Erde. Damit gelang ihm die wohl längste Everest-Besteigung aller Zeiten.

Mitchell Hutchcraft finisht die längste Everest-Besteigung aller Zeiten
© Instagram/mitchhutch

Mitchell Hutchcraft vollendet die längste Everest-Besteigung aller Zeiten

Am Morgen des 11. Mai um 07:20 Uhr Ortszeit stand der Brite Mitchell Hutchcraft auf dem Gipfel des Mount Everest. Trotz Flaschensauerstoff, Fixseilen und Trägern auch im Jahr 2025 eine beachtliche Leistung. Aber sicher keine Sensation mehr, wohl auch keine Meldung wert, zu "normal" ist eine Everest-Besteigung inzwischen geworden. Das Außergewöhnliche liegt jedoch nicht in Hutchcrafts Gipfelerfolg an sich, sondern in der Art und Weise, wie er zum höchsten Berg der Welt gekommen ist.

Der Gipfel des Mount Everest markierte das Ende einer achtmonatigen Reisen, die am 15. September in Dover/England begann. An diesem Herbsttag stieg Hutchcraft im Neopren-Anzug in das kalte Wasser des Ärmelkanals und schwamm 35 Kilometer bis nach Calais aufs französische Festland. Anschließend radelte der Brite exakt 11.921 Kilometer gen Osten: Monatelang saß er in Herbst und Winter im Sattel und durchquerte mit einem eigens designten Tourenbike insgesamt 19 Länder bis nach Indien und schlief dabei meist im mitgeführten Zelt. 

Im indischen Digha, einem Badeort im Bundesstaat Westbengalen, zog Hutchcraft am 11. Februar die Radschuhe aus und die Joggingschuhe an. Die 875 Kilometer lange Laufstrecke nach Kathmandu begann. Auch während des Laufens führte Hutchcraft – inzwischen mit Vollbart und sichtlich längeren Haaren als am Start – Ausrüstung, Essen und Kleidung mit sich, um unabhängig unterwegs sein zu können. 

Möglicherweise hat sich Hutchcraft, als er Mitte März in Kathmandu angekommen war, dort ein Nickerchen und eine Tasse Tee gegönnt. Wir wissen es nicht. Was wir aber wissen, ist, dass er in der nepalesischen Hauptstadt seine 360 Kilometer lange Wanderung ins Basecamp des Mount Everest begann, wo er Mitte April ankam.

Nach drei Wochen im Basecamp und einigen Akklimatisationstouren startete Hutchinson am 09. Mai mit Gelje Sherpa seinen am 11. Mai erfolgreichen Gipfelversuch. Insgesamt 236 Tage dauerte Hutchcrafts ganz spezielle 13.200 Kilometer lange Everest-Mission – und ist damit die längste jemals dokumentierte Besteigung des höchsten Berges der Erde.

Geteilt hat der Brite seine unglaubliche Reise in dutzenden sehenswerten Posts auf Instagram, seine Follower-Schar wuchs während der acht Monate auf die stattliche Zahl von 252.000 an. In emotionalen Statements wandte sich Hutchcraft an seine Follower: "Worte können kaum beschreiben, wie ich mich gerade fühle. Einen Traum, den ich seit meinem achten Lebensjahr hatte, auf so unglaubliche Weise zu erfüllen, ist unfassbar. Es war ein langer, harter und unglaublicher Weg bis hierher, aber wir haben es endlich geschafft. Diese Momente machen uns zu dem, was wir sind, und ich kann euch allen gar nicht genug dafür danken, dass ihr mich auf dieser Reise begleitet habt. Ich hoffe nur, dass euch diese letzten 236 Tage auf eurem eigenen Weg ein wenig helfen können "

Weitere Informationen: 12000kmtoeverest.com

Mount Everest: Erfolge und Tragödien
Aus der Besteigungsgeschichte des höchsten Bergs der Erde
Mount Everest: Erfolge und Tragödien

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Text von Holger Rupprecht

3 Kommentare

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etna

Das ist ein Rekord nach meinem Geschmack!

Nicht der Schnellste, Beste, Tollste... sondern der, der sich am meisten Zeit genommen hat. Eine Reise, ein Erlebnis, ein großes Abenteuer!

Etwa ähnliches hat Göran Kropp 1996 unternommen, als er mit dem Fahrrad von Schweden nach Nepal fuhr um den Everest zu besteigen.

Dass sich heute noch jemand die Zeit nimmt (und nehmen kann) ist wahrlich eine kleine Sensation.

Der Mann weiß seine wertvolle Lebenszeit sinnvoll zu nutzen. Wahrscheinlich eine der eindrucksvollsten Bergbesteigungen aller Zeiten mit Langzeitwirkung.

Einfach inspirierend.

Outdoorliebhaberin

Wow, was für ein beeindruckender Erfahrungsbericht! Es muss unglaublich sein, den Mount Everest zu erklimmen und all die Herausforderungen zu überwinden, die damit einhergehen. Es ist nicht nur der physische Aspekt, der einem zu schaffen macht, sondern auch der mentale Druck, der einen immer weiter antreibt.

Was mich auch immer nachdenklich stimmt, ist der Umgang mit der Höhe und der damit verbundenen Gefahr für die Gesundheit. Die Höhenkrankheit ist ein ernstes Thema, und ich denke, es ist wichtig, dass zukünftige Bergsteiger ausreichend auf die Symptome und die richtigen Präventionsmaßnahmen vorbereitet sind. Laut einer Studie der Harvard Medical School kann bereits eine Höhe von 2500 Metern Auswirkungen auf den Körper haben, und ab 5000 Metern sollte man sich der Risiken wirklich bewusst sein.

Hier mal ein Blogartikel von mir zu diesem Thema:
https://outdoor-erlebnis.com/mount-everest-besteigen-tipps-fuer-gipfelstuermer/

Bruno

Gratulation! Grandiose Sache! Was muß der Herr alles auf seiner Reise erlebt haben? Sei ihm der zusätzliche Sauerstoff auf den letzten paar Metern seiner Reise gegönnt, mir wäre vermutlich schon vorher die Puste ausgegangen. Bruno