Streaming-Tipp: Wahnsinn am Everest – Die Zukunft@(zwischenHeadlineTag)>
"Eigentlich ist der Everest zu bedauern", sagt Höhenbergsteigerin und Buchautorin Billi Bierling. "Wenn man über den Everest liest, dann ist vieles nur negativ, und trotzdem wird man bewundert, wenn man oben war." Heute dominieren Nepalesen das Geschäft mit Expeditionen, die bis zu 100 Teilnehmer umfassen und ein Luxussegment von bis zu einer halben Million Dollar anbieten.
Viele Anfänger sehen den Gipfel als persönliches Statement. Westliche Firmen bieten immer kürzere Expeditionen an, dieses Jahr soll der Everest gar in einer Woche bestiegen werden können. Für die Regierung ist der Everest finanziell unverzichtbar – er hat einen Multiplikatoreffekt für die Wirtschaft Nepals. Der Film beleuchtet kritisch die Zukunft des höchsten Berges der Welt.
Sherpas, Regierungsverantwortliche, Expeditionsleiter und Kennerinnen wie Billi Bierling diskutieren über nötige Regeln und Teilnehmerbegrenzungen. Ein Film über Wünsche und das Machbare im Geschäft mit dem Mount Everest.


2 Kommentare
Kommentar schreibenSehr geehrter Herr Steger, obwohl kein Höhenbergsteiger, möchte ich doch auf einige Ihrer Aspekte reagieren. Natürlich ist es ein fast unlösbares Problem, "Verhaltensregeln am Berg" festzulegen, die darüber hinaus verbindlich und allgemeingültig sind. Richtig, jeder Mensch hat das Recht, wenn er andere nicht schädigt, seine Mittel zu wählen.
Aber Sie sind Profi, wie Sie schreiben, Sie führen Menschen auf Berge. Dann wären meine Fragen:
- Sie bringen Menschen in die Berge, die Dutzende Tonnen Müll hinterlassen, dass sogar Armeeeinheiten mit dem Aufräumen beschäftigt werden. Damit sind Sie im Einvernehmen?
- Ich, Bruno, möchte den Rekord von U. Steck brechen, habe genug Geld, ich miete Sie als Bergführer und lasse mich mit dem Hubschrauber zu jeder Berghütte (Basecamp) fliegen. Diesen Auftrag würden Sie annehmen?
- Ich, Bruno, will auf den Grand Jorasses über den Walkerpfeiler und beauftrage Sie. Sie bekommen als erfahrener Alpinist den Eindruck, ich sollte das eher bleibenlassen, da Sie dafür einen Flaschenzug und einige Kollegen mitnehmen müssen, um mich da nach oben zu hieven. Das wäre für Sie in Ordnung?
Das sind einige Beispiele, die sich auf den Everest übertragen lassen. Klar, Sie werden aufgrund Ihres Beitrags alles bejahen, da Sie vermutlich mehrere Hunderttausend Franken verdienen. Ohne empirisch argumentieren zu können - beschleicht Sie dabei auch nicht als Berggänger der Gedanke, was ist dieser Bruno für ein... (ich belasse das Ausfüllen Ihren Kraftausdrücken)
Empirisch leichter ist es, Ihren Argumenten mit "Sicherheitsstandards", die dem modernen Autofahren angeglichen sind, zu widerlegen. Aus der einschlägigen Presse entnehmen Sie oder wissen wohl selbst, wo der Haken ist - der Faktor Mensch selbst. Sie wären wohl selbst froh, wenn Ihnen bei der Fahrt mit dem Auto keine anderen Fahrer bedrohen, die mit 200 km/h oder betrunken über die Straßen jagen, das Auto nicht lenken können und sich nicht eigenverantwortlich zeigen. Egal, ob alle angeschnallt, EPS, Airbag haben. Sie würden sich eher doch auch freuen, auf Fahrer zu treffen, die sich demütig gegenüber anderen und der Umwelt verhalten? Sonst könnte das auch für Sie und den anderen Fahrer unter ein anderes Sauerstoffzelt führen. Sie sehen, auch Ihr Argument mit den "Sicherheitsstandards" ist angreifbar. Sie würden also riskieren, ich sage etwas böswillig "aus Geldgier", da sie ja ein paar Fränkli mehr dafür bekommen, mich in einem Xenon-Schutzanzug auf den Everest zu ziehen? Zu diesem Punkt abschließend - trotz aller Sherpas, super Bergführer (versichert oder nicht) sind leider dauernd Tote zu beklagen, egal ob auf dem Matterhorn oder Everest.
Was Ihre Erörterungen zur Geschichte anbelangt, das ist Ansichtssache, ich meine, dass Messner und Habeler auch ohne diese Vorarbeit auf den Everest gekommen wären, vermutlich etwas länger. Und was Buhl anbelangt, schreiben Sie selbst "angeblich". Also kein Argument, wobei ich mir das nicht vorstellen kann, da diese Art von Doping zu Selbstüberschätzung führt, was im hochalpinen Raum selbstmörderisch ist.
Ihr letzter Absatz hat mich komplett irritiert, es wird "Eigenverantwortung auf die - ach so armen Bergführer - abgegeben". Wirklich? Also beim Lesen der AGB aller Bergführer habe ich absolut nicht diesen Eindruck erlangt... Wo natürlich die Bergführer in ihren AGB Recht haben! Warum soll man das Risiko eingehen, 80-jährige, Einbeinige oder mich auf den Grand Jorasses oder Everest zu schleppen? Insofern man natürlich nicht die oben aufgeführte negative Charaktereigenschaft besitzt.
Und zu guter Letzt entbehrt Ihre Argumentation hinsichtlich des Verdienstes der Sherpas nicht des Zynismus. Um das Ego zahlungswilliger Brunos zu befriedigen, die es nicht können, aber wollen, müssen diese für ein paar Tausend Dollars ihr Leben riskieren. Dass dieses Risiko weiterhin besteht, können Sie auch empirisch nicht abstreiten.
Also wird dieser Mix aus Rekordsucht, Selbstverliebtheit und der Wunsch, bewundert zu werden (ich bewundere niemand, der nach Hillary und Messner da hochgegangen ist oder hochgeht) trotz aller Sicherheitsstandards weiterhin zu Berichten unter der Rubrik "Unfälle" führen.
Das mag genügen, Bruno
Es ist kaum zu fassen, wie viele Menschen, die keinerlei Erfahrung im Höhenbergsteigen haben, sich erdreisten, Verhaltensregeln für die hohen Berge aufzustellen und ihre Kommentare abzugeben. Noch problematischer ist es, dass sie den Expeditionsveranstalter Lukas Furtenbach diffamieren und sogar Morddrohungen gegen ihn aussprechen!
„Früher war alles anders“ –
Auch bei der „sauerstofflosen“ Besteigung des Mount Everest durch Reinhold Messner und Peter Habeler haben die Sherpas die Route durch den Khumbu Eisbruch begehbar gemacht, unter anderem mit Fixseilen und Leitern. So viel zu dem Mythos des „fairen Bergsteigens“
Was den legendären Bergsteiger Hermann Buhl betrifft: Wenn er nicht 1957 bei einem Wechten Bruch auf der Chogolisa tödlich abgestürzt wäre, hätte er vermutlich alle 8000er vor Reinhold Messner bestiegen. Doch auch Buhl nahm – angeblich – damals Pervitin (Doping) ein, was jedoch keinesfalls seine außergewöhnlichen Leistungen im Bergsteigen schmäler möge.
Es war jedoch erst durch Expeditionsveranstalter wie Kari Kobler und Lukas Furtenbach, dass die Sherpas, insbesondere die High Climbing Sherpas, für ihre herausragenden Leistungen angemessen entlohnt wurden. Dies bedeutet, dass Sherpas bei einer Everest-Expedition inzwischen zwischen 4.000 und 6.000 USD verdienen können – was für Nepal eine beachtliche Summe darstellt. Zusätzlich werden sie ausreichend versichert und mit der gleichen Ausrüstung ausgestattet wie die Expeditionsteilnehmer, was früher keinesfalls der Fall war.
Es war Lukas Furtenbach, der maßgeblich dazu beigetragen hat, dass das Höhenbergsteigen, besonders am Everest, heute einen beispiellosen Sicherheitsstandard für alle erreicht hat, sowohl für die Expeditionsteilnehmer als auch für die Sherpas.
Ich vertrete die Meinung, dass Besteigungen von hohen Achttausendern mit künstlichem Sauerstoff nicht nur eine Frage des Überlebens, sondern auch eine der Intelligenz sind.
Das Risiko, ohne Sauerstoff auf solche Gipfel, insbesondere dem Mount Everest, zu steigen ist immens – die Gefahr, den Berg nicht mehr lebend zu verlassen oder schwere Erfrierungen zu erleiden, ist real.
Kein vernünftiger Mensch würde heute noch in ein Auto steigen, ohne Sicherheitsvorkehrungen wie Airbags, ESP oder andere Schutzsysteme. Warum sollten wir weiterhin das unberechenbare Risiko des „reinen“ Bergsteigens verherrlichen? Wie viele hervorragende Bergsteiger wären noch am Leben, wenn sie weniger risikobereit gewesen wären?
Abschließend glaube ich, dass jeder das Recht haben sollte, seinem Hobby nachzugehen, solange keine anderen Menschen zu Schaden kommen – sei es mit oder ohne künstlichem Sauerstoff oder der Nutzung von Xenon.
Es gibt keine festen Leitlinien oder Regeln für den Stil des Bergsteigens oder die Auswahl der Hilfsmittel – jeder sollte die Freiheit haben, beim Bergsteigen nach seinen eigenen Vorstellungen vorzugehen. Wichtig ist jedoch, dass wir alle Transparenz und Ehrlichkeit wahren, denn nur so können wir uns innerhalb und außerhalb der Bergsteigergemeinschaft den Respekt verdienen.
Menschenansammlungen und Staus gibt es nicht nur am Everest, sondern auch am Großglockner, Matterhorn, Mont Blanc und vielen anderen Gipfeln. Interessanterweise wird dies jedoch nie kritisiert.
Die Eigenverantwortung wird nicht nur in den Bergen Nepals , vielmehr auch in den West- und Ostalpen von Bergsteigern an Berg- und Schiführer oder fachkundige Bergsteiger abgegeben und erntet keine Kritik
Andreas Steger; Berg- und Schiführer