"Pure und sinnlose Zerstörungslust"

Vandalismus am Watzmann: Schäden an Hocheck-Schutzhütte größer als vermutet

Nach wiederkehrendem Vandalismus, Missbrauch und Vermüllung der Schutzhütte zogen die Bergwacht Ramsau und der Nationalpark Berchtesgaden im Sommer 2025 die Reißleine. Die Schutzhütte am Hocheck wurde bis auf einen kleinen Notunterstand verschlossen. Dieser wurde nun gewaltsam aufgebrochen. Bei einer Begutachtung zeigten sich weitere Schäden, die auf eine "pure Zerstörungslust" hindeuten.

Vandalismus am Watzmann: Schäden an Hocheck-Schutzhütte größer als vermutet
© Bergwacht Ramsau

03. November 2025 | Schäden größer als vermutet

An Allerheiligen hatte die Bergwacht Ramsau das milde Wetter genutzt, um mit Polizeibergführern der Alpinen Einsatzgruppe die zuletzt von Unbekannten verursachten Schäden an der Schutzhütte auf dem Watzmann-Hocheck zu sichten und ggf. direkt zu reparieren. Hierfür wurden die Einsatzkräfte mit Material und Werkzeug per Hubschrauber zum Gipfel geflogen.

Dort angekommen stellten die Ehrenamtlichen weitere grobe Schäden fest, unter anderem war das Fenster des öffentlich zugänglichen Bereichs eingeschlagen worden. Auch eins der Vorhängeschlösser zum Hauptraum und dem dortigen Materialdepot war derart beschädigt, dass es aufgeflext werden musste. Die Bergwacht vermutet grobe Einwirkung mit Eispickel und Steigeisen. 

<p>Blick&nbsp;auf&nbsp;die&nbsp;Schäden&nbsp;am&nbsp;Watzmann-Hocheck.</p>

Blick auf die Schäden am Watzmann-Hocheck.

© BRK Berchtesgadener Land

"Im Ernstfall wären wir bei einem Einsatz ohne Werkzeug nicht mehr reingekommen und hätten weder die dortige Ausrüstung noch die Hütte als Stützpunkt nutzen können!", sagte Bereitschaftsleiter Michael Renner. Renner spricht von einer "puren und sinnlosen Zerstörungslust", zumal es bei den Beschädigungen offenbar nicht um Zugang zur Hütte ging. "Da all die Schäden durch massive mutwillige Gewalt entstanden sind, vermuten wir die gleichen Täter", schloss er.

Die Täter beschädigten auch den isolierenden Kunststoffrahmen so stark, dass über Tage Schnee und Schmelzwasser eindringen konnten. Hierdurch sog sich die dahinterliegende Holzwand voll und muss komplett ausgetauscht werden. Fenster und Rahmen wurden provisorisch mit einer Platte verschlossen, deshalb hat der öffentlich zugängliche Bereich bis auf Weiteres kein Tageslicht. Polizei und Bergretter sprechen von einem insgesamt vierstelligen Schadensbetrag.

<p>Ohne&nbsp;ersichtlichen&nbsp;Grund&nbsp;wurde&nbsp;auch&nbsp;dieses&nbsp;Fenster&nbsp;eingeschlagen.</p>

Ohne ersichtlichen Grund wurde auch dieses Fenster eingeschlagen.

© BRK Berchtesgadener Land

27. Oktober 2025 | Erneut massive Beschädigungen am Hocheck

Wie das BRK Berchtesgadener Land in einer Pressemitteilung publik machte, haben Unbekannte erneut die Schutzhütte am Watzmann-Hocheck beschädigt. Laut Bericht wurde "die Wand zwischen dem öffentlich zugänglichen Schutzraum und dem abgesperrten Notlagerraum für die Bergrettung mit roher Gewalt durchbrochen – eventuell mit den Füßen, Steigeisen, Pickel oder anderem Werkzeug." Ein Bergsteiger hatte die Verwüstung am 22. Oktober bemerkt und die Einsatzkräfte informiert.

"Die Hütte hat in der Vergangenheit bereits mehrfach bei sehr widrigen Wetterverhältnissen Leben gerettet. Nach dem bereits bekannten Vandalismus der vergangenen Jahre ist dies nun der traurige Höhepunkt", äußerte sich Bereitschaftsleiter Michael Renner. Den jüngsten Schaden beziffern die Einsatzkräfte auf 300 bis 400 Euro. Ein Reparaturversuch und die Schadensaufnahme durch die Polizei stehen wetterbedingt noch aus. Hinweise zu den Tätern werden von der Grenzpolizeiinspektion in Piding aufgenommen: +49 (0) 8651-950-0.

<p>Die aufgebrochene Zwischenwand am Watzmann-Hocheck.</p>

Die aufgebrochene Zwischenwand am Watzmann-Hocheck.

© BRK Berchtesgadener Land

25. Juli 2025 | Vandalismus und Vermüllung am Watzmann: Hocheck-Schutzhütte wird teilverschlossen

Bergwacht und Nationalpark machten am 24. Juli 2025 in einer gemeinsamen Pressemitteilung den Umbau der Notunterkunft am Gipfel des Watzmann-Hocheck öffentlich. Als dringliche Gründe benennen die Partner "andauernden Vandalismus und Vermüllung". Mit der Umgestaltung der kleinen Schutzhütte im Besitz der Bergwacht Ramsau ist allerdings mehr deren dauerhaftes Verriegeln gemeint.

<p>Die Schutzhütte am Watzmann-Hocheck.</p>

Die Schutzhütte am Watzmann-Hocheck.

© Bergwacht Ramsau

Können Bergsteiger bei der Watzmann-Überschreitung keinen Unterschlupf mehr finden? Doch!

Können also Bergsteiger, die bei der Watzmann-Überschreitung in schlechtes Wetter geraten zwischen Wimbachgrieshütte und Watzmannhaus keinen Unterschlupf mehr finden? Doch, beruhigt die Bergwacht. Die Schutzfunktion der Hütte bleibe erhalten: "Bergsteiger können künftig bei alpinen Notfällen in einem kleineren Raum vor Wind und Wetter Schutz suchen. Ohnehin verbotene Übernachtungen werden künftig nicht mehr ohne weiteres möglich sein," heißt es wörtlich in der Pressemitteilung.

Die Ramsauer Einsatzkräfte werden beim aufwändigen sowie zeit- und kostenintensiven Umbau von der Nationalparkverwaltung unterstützt. In ihrer Veröffentlichung begründen die Retter ihre Entscheidung zum dauerhaften Verschluss der Haupthütte mit den untragbaren Zuständen, die sie regelmäßig auf 2651 Meter vorfinden.

"Türen und Fenster wurden aufgebrochen, Müll und Fäkalien hinterlassen"

"Türen und Fenster wurden aufgebrochen, Müll und Fäkalien hinterlassen und die Bausubstanz durch Lagerfeuer beschädigt. Nachdem Bergsteiger die Eingangstür im Frühjahr 2024 offen stehen ließen, drangen über einen längeren Zeitraum große Schneemengen ein, die von ehrenamtlichen Mitarbeitern der Bergwacht aufwändig entfernt werden mussten. Die Folge: Feuchte, Schimmel und Schäden an der Bausubstanz. In der Schutzhütte lagern Bergwacht und Nationalparkverwaltung wichtige Einsatzausrüstung für Rettungseinsätze und Steigsicherungsarbeiten, die regelmäßig benötigt wird und im Einsatzfall Leben retten kann."

Aus diesem Grund bleibe der größere Raum der Schutzhütte künftig verschlossen. Wenn zu viele Bergsteiger in Not geraten, sei es aber über einen Notruf möglich, die Tür zum größeren Schutzraum öffnen. Eine mehrsprachige Beschilderung hierzu sei geplant.

Bergwacht und Nationalpark bitten um Verständnis für ihre Entscheidung und appellieren in diesem Zusammenhang an alle Watzmannbegeher, ihren Müll wieder mit ins Tal zu nehmen und mit der hochalpinen Infrastruktur schonend umzugehen.

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Text von Lubika Brechtel

8 Kommentare

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Bruno

Alfred - im Text steht: "Türen und Fenster wurden aufgebrochen, Müll und Fäkalien hinterlassen und die Bausubstanz durch Lagerfeuer beschädigt". Also das klingt irgendwie nicht nach "Bergnot". Dann hätten diese Leute eher die Eigentümer dieser Hütte kontaktieren sollen (Bergwacht). Und wenn man wirklich einmal ein Fenster aufbrechen müßte, um plötzlich auftretendem Ungemach zu entgehen, sollte man die "Testes" (Latein) haben, sich mit dem Besitzer in Verbindung zu setzen. Bruno

Hias

Touris Go hoam!

Daniel

Nächstes mal OSB-Platten verbauen, anstatt Press-Span. Dann haben die Vandalen ordentlich Arbeit.

Martin

Was stimmt mit den Leuten nicht?

Alfred Schneider

Nicht vorschnell urteilen. Vielleicht waren Leute in Bergnot!

Gerd53

Es ist erschreckend wie sehr sich die Unsitten in den letzten 50 Jahren aus den Niederungen in höhere Bergregionen ausgebreitet haben. Respekt vor den Leistungen anderer, die in mühevoller Arbeit etwas für die Allgemeinheit geschaffen haben, scheint es nicht mehr zu geben. Selbst auf hochgelegenen Hütten trifft man immer wieder Leute, die auf Grund ihres Charakters dort nichts zu suchen haben. So schön die Vollversorgung auf den Hütten (der Verdienst sei den Wirten gegönnt) und die verbesserte Bergrettung auch sind, so sehr verleitet das doch Personen in die Berge zu ziehen, die besser im Tal bleiben sollten.

Gustav

Bitte nicht die Vandalen beleidigen. Nicht mal Vandalen waren so undankbar.

Nonni

Hallo, vielen Dank für den Artikel. Ich bin sehr schockiert wie Bergsteiger mit dem Eigentum der Bergwacht umgehen, Eigentlich sollten die Begeher der Überschreitung sich dankbar zeigen, dass es eine solche Unterstellmöglichkeit gibt, um im Notfall Schutz zu finden. Ihre Entscheidung kann ich nachvollziehen. Es ist sehr traurig, zu sehen wie wenig Respekt die Menschen aufbringen. Von Bergsteiger hätte ich mehr erwartet. Ich wünsche einen schönen Bergsommer, beste Grüße Antje