Unterwegs mit mangelhafter Ausrüstung und Bekleidung

Bergwacht Garmisch gefordert: Mehrere Einsätze rund um die Zugspitze

Nur selten wird es um die Zugspitze für die Bergwacht einmal ruhiger. Zuletzt gab es rund um den höchsten Berg Deutschlands bis zu 15 Einsätze pro Wochenende. Nun mussten die Retter erneut ins Oberreintal und zum tief verschneiten Zugspitzgipfel ausrücken.

Bergwacht Garmisch gefordert: Mehrere Einsätze rund um die Zugspitze
© Bergwacht Garmisch-Partenkirchen

In den Bergen herrscht kein Sommer mehr!

In den sozialen Medien berichteten die Einsatzkräfte erst jetzt über die Einsatzlage Ende September. Der dahinterstehende Appell: In den Bergen ist kein Sommer mehr! Sich vor einer Tour dementsprechend mit Kleidung und Ausrüstung zu versorgen, ist absolut notwendig.

Kletterer im Oberreintal gerettet

Am 21. September hatten zwei Kletterer aus der Ostverschneidung am Oberreintalschrofen den Notruf abgesetzt. Das Duo hatte nach erfolgreichem Durchstieg der Route den Abstieg nicht gefunden, weshalb sie sich entschieden über die Klettertour abzuseilen. Dabei verhedderte sich in der sechsten Länge ihr Seil jedoch derart, dass sie in der Wand blockiert waren.

<p>Die Retter mussten zur blockierten Seilschaft hinaufklettern.</p>

Die Retter mussten zur blockierten Seilschaft hinaufklettern.

© Bergwacht Garmisch-Partenkirchen

Aufgrund eines vorhergesagten Wettereinbruchs und der nur sommerlich ausgerüsteten Seilschaft entschied die Bergwacht, die Kletterer noch in der Nacht aus der Wand zu bergen. Ein erster Versuch aus der Luft scheiterte an schlechter Sicht, weshalb vier Einsatzkräfte am Plattenschuss abgesetzt wurden. Zwei leuchteten die Wand von unten bestmöglich aus, die beiden anderen kletterten hinauf zu den Blockierten.

Sie erreichten die Seilschaft ohne Probleme und konnten sie aus ihrer misslichen Lage befreien. Die Kletterer wurden unverletzt an der Oberreintalhütte abgesetzt. Einsatzende war für die vier Retter gegen 3 Uhr morgens.

Rettung am winterlichen Zugspitzgipfel

Am 25. September folgte ein weiterer Notruf von der winterlichen Zugspitze. Drei Bergsteiger waren unterkühlt etwa 200 Meter vom Gipfel entfernt und trauten sich weder vor noch zurück. Deshalb alarmierten sie gegen 17 Uhr die Rettung. "Bei Temperaturen um dem Gefrierpunkt und sehr mangelhafter Ausrüstung der Bergsteiger wurde auch hier die Entscheidung getroffen die drei zu bergen", schreibt die Bergwacht.

<p>Saison (vorerst) vorbei: Auf der Zugspitze liegt Schnee!</p>

Saison (vorerst) vorbei: Auf der Zugspitze liegt Schnee!

© Bergwacht Garmisch-Partenkirchen

Am vermeintlichen Einsatzort fanden die Retter jedoch niemanden vor, weshalb sich die Einsatzkräfte für das Absuchen des Stopselzieher-Klettersteigs von oben entschlossen. Gegen 21 Uhr trafen die Retter in der Mitte der Ferrata auf die Blockierten. Da eine Bergung zum Gipfel hin nicht möglich war, wurde die Bergrettung Ehrwald hinzugezogen. Gemeinsam begleitete das Team die drei Bergsteiger zunächst zur Wiener Neustädter Hütte und anschließend mit der Tiroler Zugspitzbahn nach Ehrwald. Der Einsatz war gegen Mitternacht beendet.

Text von Lubika Brechtel

3 Kommentare

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Alois

Solange Alpenvereine und gewinnorientierte Versicherungsgesellschaften keinen - insb. wirtschaftlichen - Bedarf sehen für eine zwingende Selbstbeteiligung der geretteten Person für eine von derselben zu vertretende Bergrettung, sondern einen extrem günstigen, sehr weitgehenden Versicherungsschutz anbieten, namentlich mit dem DAV-Mitgliedsbeitrag, der auch noch viele andere Kosten zu decken hat, besteht m.E. kein Handlungsbedarf. Verglichen mit den Massen, die sommers wie winters ins Gebirge fluten, sind die Rettungsfälle anscheinend nach wie vor recht geringfügig bzw. unwesentlich. Dass sich Menschen quasi in jedem Lebensbereich, so auch im Bergsport, mehr oder weniger irrational verhalten, sowohl Amateure als auch Profis, dürfte allenthalben bekannt sein und niemanden überraschen. Deswegen Verantwortungslosigkeit zu betrauern und/oder den bisher freien Zugang zur Bergwelt regulieren zu wollen, ist lebensfremd, also absurd.

Micha

@Steffen: und dann? Dann dürfen erfahrene Leute mit leichtem Gepäck nicht mehr in die Berge? Dann hat der Ranger die Verantwortung, weil man mit der Vergabe von Passierscheinen diese von den Menschen an den Kontrolleur vergibt? Weil durch die hohen Kosten eine soziale Auslese kommt, wer es sich noch traut in die Berge zu gehen?
Manche Vorschläge sind ja sicher gut gemeint, aber halten ganz sicher keiner polemikfreien Überprüfung statt.

Steffen

Wenn das so weitergeht mit der Verantwortungslosigkeit, werden in den Bergen bald Ranger an den Zugängen stehen, die den Equipment- und Erfahrungscheck machen müssen. Alternativ, die Kosten für die Bergung astronomisch hochschrauben - damit es richtig wehtut - und diese Umstände mehr publik machen. Die Menschen handeln verantwortungslos gegenüber ihren Mitmenschen, und hier besonders gegenüber den ehrenamtlichen Bergrettern. Traurig! Eigenverantwortung verloren?