Verstiegen, erschöpft, verletzt

Hoher Göll: Vier Notrufe an nur einem Abend

Am Freitag (31. Oktober 2025) mussten acht Einsatzkräfte der Bergwacht Berchtesgaden nahezu zeitgleich zu vier Einsätzen am winterlichen Hohen Göll und am Torrener Joch ausrücken.

Der Hubschrauber startet zum Hohen Göll.
© BRK Berchtesgaden

Vier Notrufe vom winterlichen Hohen Göll

Der erste Notruf vom Hohen Göll ging gegen 17:20 Uhr bei der Zentrale ein. Ein 33-jähriger Urlauber hatte sich bei einsetzender Dunkelheit am Jagerwieselsteig im Bereich Trichterwiesel verstiegen. Zwei Einsatzkräfte der Bergwacht machten sich zu Fuß auf den Weg zu dem unverletzten Wanderer, da der vom Stützpunkt Roth bei Nürnberg angeforderte nachflugtaugliche Polizeihubschrauber "Edelweiß 8" mit Rettungswinde rund eineinhalb Stunden Anflugzeit bis zur Göll-Westwand benötigte.

Ziemlich genau zwei Stunden später, um 19:20 Uhr, ging einen Kilometer Luftlinie entfernt der zweite Notruf ein: Eine 31-Jährige und ihr sechs Jahre älterer Begleiter waren in den Göll-Umgängen in die Dunkelheit geraten. Beide Wanderer gaben an, zu erschöpft für einen selbstständigen Abstieg zu sein. Zehn Minuten nach Eingang dieser Notlage folgte bereits der dritte Anruf vom Hohen Göll. Zwei Münchner (38 und 47 Jahre) waren aufgrund einer Beinverletzung einer der beiden Personen ebenfalls in den Umgängen blockiert.

<p>Bild von den Einsätzen am Hohen Göll.</p>

Bild von den Einsätzen am Hohen Göll.

© BRK Berchtesgadener Land

Zeitgleich ging der vierte Notruf des Abends bei den Rettern ein: Am Torrener Joch unweit des Stahlhauses benötigte ein Bewusstloser ärztliche Hilfe. Zwei Bergretter fuhren daraufhin mit dem Rettungsfahrzeug hinauf. Die Besatzung des Pongauer Notarzthubschraubers "Martin 1" bewältigte den Einsatz dann aber ohne weitere Unterstützung durch die Bergwacht. Zwischenzeitlich nahm der mittlerweile aus Nürnberg eingetroffene "Edelweiß 8" zwei Einsatzkräfte auf und flog sie in die Göll-Westwand.

Dort retteten sie zunächst den schwäbischen Urlauber per Winde und machten sich im Anschluss auf den Weg zu den vier Personen in den Umgängen. Alle Personen konnten sicher ins Tal transportiert werden. Der am Berin verletzte Wanderer gab sich dort eigenständig in ärztliche Behandlung.

Berg- und Wandertouren in der dunklen Jahreszeit: Darauf müsst ihr achten!

Die Vorfälle zeigen einmal mehr, wie schnell spätherbstliche Bergtouren in winterliche Lagen zu Notsituationen führen können. Diese grundlegenden Hinweise müsst ihr im Spätherbst beachten:

  • Ausrüstung: Erste-Hilfe-Set, Stirnlampe (!), warme Kleidung, Mütze, Handschuhe, Rettungsdecke, Biwaksack, Riegel und (warmes) Getränk gehören wie ein voll geladenes Handy und gegebenfalls eine zusätzliche Powerbank in jeden Rucksack!

  • Am besten hat man auch Gamaschen und Grödel dabei, für den Fall, dass man auf Schnee trifft. Auch Stöcke (mit Schneetellern) sind hilfreich.

  • Aktuelle Wetter- und Lawinenberichte prüfen, auch unterwegs

  • Schneefallgrenzen (Süd- und Nordexposition oft unterschiedlich) und Temperaturen berücksichtigen!

  • Tour realistisch planen: Dauer, Höhenmeter und Schwierigkeit an Verhältnisse und eigene Kondition anpassen. Gegenüber dem Sommer stark verringerte Stundenzahl an Tageslicht bedenken.

  • Route mitteilen: Angehörige oder Freunde informieren, wohin man geht und wann man zurück sein will. Bei Überschreitung des Rückkehrzeitpunktes Rettungskette vereinbaren.

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