Zeitlicher Verzug in der Schlüsselstelle

Großglockner: Bergsteiger vom Stüdlgrat gerettet

Am 15. Dezember 2025 gerieten zwei Bergsteiger am Stüdlgrat auf den Großglockner in Bergnot. Sie waren an der Schlüsselstelle in Verzug geraten.

Großglockner: Bergsteiger vom Stüdlgrat gerettet (Symbolbild)
© picture alliance / Bildagentur-online/Exss

Notruf vom Stüdlgrat am Großglockner

Die beiden 19 und 20 Jahre alten Bergsteiger waren bereits am Vortag zur Stüdlhütte aufgestiegen, wo sie die Nacht im (offiziell geschlossenen) Winterraum verbrachten. In den frühen Morgenstunden des nächsten Tages brachen sie zum Stüdlgrat auf, dessen Einstieg sie gegen 8 Uhr morgens erreichten.

Laut Polizeibericht gerieten sie im oberen Gratdrittel (auf ca. 3700 Metern) im Bereich der Schlüsselstelle in Zeitverzug, weshalb sie erst in der einsetzenden Dämmerung den Gipfel erreichten. Da sich die beiden jungen Männer einen eigenständigen Abstieg in der Dunkelheit nicht zutrauten, setzten sie gegen 16:25 Uhr den Notruf ab. Das Duo konnte unverletzt vom Notarzthubschrauber mittels Tau geborgen und ins Tal geflogen werden.

Der Stüdlgrat im Winter: Anspruchsvolle, hochalpine Tour

Der Stüdlgrat im Winter ist eine anspruchsvolle, hochalpine Unternehmung und nur bei stabilen Verhältnissen zu empfehlen. Der Grat ist häufig vereist, einzelne Kletterstellen werden dadurch schnell heikel. Die exponierte Lage macht die Tour anfällig für starke Winde und extreme Kälte. Kurze Tage, keine vorhandene Spur und ein aufwendiger Rückzug (geht nur bis zum Frühstücksplatzl!) erhöhen das Risiko zusätzlich. Eine sichere Begehung erfordert ausgeprägte Erfahrung im kombinierten Fels-, Eis- und Schneegelände sowie die Fähigkeit zu einer sehr konservativen Tourenplanung. Die Tour erfordert eine gesunde Selbsteinschätzung des eigenen Könnens, der Zeit und der konditionellen Reserven.

Notrufsysteme im Überblick
Sechs Systeme im Vergleich
Notrufsysteme im Überblick

Unfall in den Bergen, jetzt muss schnell Hilfe her. Doch mit welchem Gerät gelingt das auch?

zum Test

Text von Lubika Brechtel

5 Kommentare

Kommentar schreiben
Rudi

Kommst morgens nicht in die puschen,
Musst im Dunkeln nachhause hu(b)schen

Fink

Wir waren von 13. auf 14.12 am Glockner mit den Skiern über den Normalweg via Adlerruhe unterwegs. Die beiden trafen wir vermutlich (zwei junge Männer im alter von ca. 18-20) kurz vor dem Parkplatz des Lucknerhauses, wo sie mich nach den aktuellen Verhältnissen am Stüdelgrat fragten.

Obwohl ich ihnen über mäßig bis schlechte Verhältnisse berichtete (wenig Schnee, meist Harsch/ Bruchharsch) setzten sie ihren Aufstieg weiter fort. Der Umkehrzeitpunkt bei dieser Unternehmung wurde offensichtlich versäumt.

Abschließend ist es erleichternd zu hören, dass diese Tour für alle Beteiligten glimpflich ausgegangen ist.

Micha

@Frank
Sicher, nachher schlau schnattern ist für uns vom warmen Sessel immer leicht. Was hier genau schief lief weiss von uns niemand.

Zum Thema Biwaksack. Ich trage immer einen mit (keine Mülltüte sondern einen richtigen).
Aber wenn ich im Winter im Schlamassel auf 3800m am Grat ohne Schutz wäre und die Wahl zwischen Hubschrauber und Biwaksack habe, nehme ich den Hubschrauber. Im Sommer mag das anders sein.
Aber du bist sicher härter als wir alle und sitzt das lieber aus.

Franz

Woher sollte ein 19 jähriger die Härte und Erfahrung für so eine Tour haben?
Und ich weiß wovon ich rede!

Frank

Der Stüdlgrat im Winter ist eine Herausforderung für sehr gute Alpinisten!
Wieso steigt man im Winter hier ein wenn man sich den Abstieg vom Gipfel bei Dunkelheit nicht zutraut?
Nimmt man heute keine Stirnlampen und Biwaksack mehr mit ins Hochgebirge?
Am nächsten Morgen wirds ja wieder hell.
Den Ahnungslosen gehört die Welt.