"Get the Vibe": Yannick Glatthard eröffnet im Alleingang Mixed-Route
Der Schweizer Alpinist Yannick Glatthard hat am 3. März 2026 eine spannende Erstbegehung realisiert: Am Chlynen Tällistock im Berner Oberland eröffnete er die Mixed-Route "Get the Vibe" (WI5, M8, 125 m). "Zustieg" zur Wand und Abstieg bewältigte er per Gleitschirm. Bereits im Februar hatte der Schweizer den Eisfall aus der Luft entdeckt.
"Ich wusste sofort, dass ich ihn unbedingt klettern musste", berichtet er. Da mögliche Seilpartner von Skiunternehmungen abgelenkt waren, entschied er sich für eine Solo-Unternehmung. Mit der Seilbahn gelangte Glatthard zunächst auf die Planplatten (2200 m), von wo aus er gegen Mittag mit dem Gleitschirm abhob. "Der Flug ist bei guten Thermikbedingungen nicht besonders schwierig", schildert er in planetmountain.com in einem Bericht.
Nach dem Start gewann er rasch an Höhe und querte ins Gebiet des Tällistock. Schließlich landete er nach rund 30 Minuten Flug auf einem Plateau oberhalb der Route – eine bewusste Entscheidung: "Auf dem 35 Grad steilen Nordhang mit Altschnee allein zu landen, war mir zu heikel."
Erschließung und Kletterei
Die Standplätze der Route erschloss Glatthard von oben: Mit insgesamt nur drei Bohrhaken richtete er die Linie ein, bevor er sie Rope-solo durchstieg. Dabei führte er jede Seillänge im Vorstieg, sicherte sich selbst und kletterte anschließend die jeweilige Sequenz. Während die zweite Seillänge durch brüchigen Schnee anspruchsvoll war, stellte die dritte – der Schlüsselteil – für ihn den Höhepunkt dar: "Fantastisch – bis auf einen Bolt und einen Haken ließ sich alles mit Eissanduhren absichern."
Die Schlusslänge führte durch eine "einschüchternde Verschneidung", konnte jedoch ebenfalls gut mit mobilen Sicherungsmitteln abgesichert werden. Das Fazit zum Stil fällt pragmatisch aus: "Nicht der sauberste Stil, aber bei diesen Schwierigkeiten hat es für mich gut funktioniert", so der 28-Jährige.
Rückflug mit Hindernissen
Gegen 16 Uhr war Glatthard zurück bei seinem Gleitschirm. Während milde Bedingungen die Kletterei teilweise ungewöhnlich angenehm gemacht hatten ("Im oberen Teil konnte ich sogar ohne Handschuhe klettern") stellt sich der Rückflug als unerwartet schwierig heraus. Mit Kurzski, schwerem Rucksack und schwierigen Schneeverhältnissen benötigte er mehrere Anläufe: "Nach sechs oder sieben abgebrochenen Versuchen habe ich es schließlich geschafft." Der Rückflug bis nach Innertkirchen glückte – mit Landung im eigenen Garten. "Ein Erlebnis, das mir sehr viel bedeutet", resümiert Glatthard.

1 Kommentar
Kommentar schreibenBeim Abseilen habe ich oben einen Bohrhaken gesetzt, nach etwa 50 m einen weiteren und zuunterst einen Normalhaken sowie eine Sanduhr gefädelt. Anschließend habe ich die Route während des Kletterns fertig eingerichtet.
Alle Längen sind mobil abzusichern, bis auf zwei bis drei Normalhaken und Sanduhren.
Der Begehungsstil ist nicht ganz sauber, da ich nur im Nachstieg und ohne Belastung des Materials durchgestiegen bin. Da es für mich eine Genusstour war, hat das aber so gepasst.