Bergunfall am Großglockner: Selbstsicherung reißt – Alpinist per Tau gerettet
Ein schwerer Alpinunfall hat sich am Freitag am Stüdlgrat des Großglockners ereignet. Ein 29-jähriger Bergsteiger aus Tschechien stürzte mehrere Meter in die Tiefe, nachdem nach bisherigen Erkenntnissen seine Selbstsicherung versagt hatte. Der Mann erlitt schwere Verletzungen. Das Ehepaar war als Zweierseilschaft über den anspruchsvollen Stüdlgrat zum Gipfel des 3798 Meter hohen Berges unterwegs.
Der 29-Jährige führte die Seilschaft. In einer Höhe von rund 3650 bis 3700 Metern sicherte er sich nach eigenen Angaben mit einer Selbstsicherungsschlinge an einem gebohrten Standhaken und setzte sich in seinen Klettergurt. Nach Aussage seiner Ehefrau riss die Schlinge plötzlich, woraufhin der Alpinist rückwärts etwa zehn Meter durch gestuftes, nahezu senkrechtes Felsgelände abstürzte. Glück im Unglück: Der Mann kam auf einem kleinen Felsabsatz zum Liegen. Dadurch wurde ein weiterer, vermutlich folgenschwerer Absturz verhindert.
Ein befreundeter Bergsteiger aus der vorausgehenden Seilschaft stieg sofort zum Verletzten ab und leistete Erste Hilfe. Gleichzeitig wurde der Alpinnotruf abgesetzt. Die Rettung gestaltete sich aufgrund starker Nordwestböen und immer wieder aufziehender Nebelschwaden schwierig. Ein zunächst alarmierter Notarzthubschrauber konnte den Verletzten deshalb nicht aufnehmen. Erst dem Polizeihubschrauber aus Salzburg gelang schließlich eine Taubergung.
Der Schwerverletzte wurde zum Lucknerhaus geflogen, dort an den Notarzthubschrauber übergeben und anschließend ins Tauernklinikum Zell am See gebracht. Die 24-jährige Ehefrau blieb unverletzt. Sie wurde von zufällig anwesenden Mitgliedern der Bergrettungs-Ortsstellen Matrei und Kals über den Gipfel und die Adlersruhe sicher ins Tal begleitet.
Der Stüdlgrat auf den Großglockner: Anspruchsvolle, hochalpine Gratttour
Der Stüdlgrat gilt als einer der schönsten und beliebtesten Anstiege auf den Großglockner (3798 m). Die klassische Route führt von der Stüdlhütte über den ausgesetzten Südwestgrat zum höchsten Gipfel Österreichs und verlangt sicheres Klettern im II. bis III. Schwierigkeitsgrad (UIAA), absolute Trittsicherheit sowie alpine Erfahrung. Obwohl der Grat technisch moderat erscheint, machen die große Höhe, wechselhafte Wetterbedingungen, objektive Gefahren und der oft starke Andrang die Tour anspruchsvoll. Eine vollständige Hochtourenausrüstung sowie der sichere Umgang mit Sicherungstechniken sind Voraussetzung.
Für hochalpine Routen, aber auch generell gilt: Vor jeder Tour sollte die eigene Ausrüstung (zumindest kurz) kontrolliert werden; Bandschlingen und Selbstsicherungen müssen korrekt verwendet und vor jeder Tour auf Beschädigungen überprüft werden.


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