Erneut Rettungseinsatz am Stüdlgrat

Notbiwak auf 3700 Metern: Wettersturz stoppt Seilschaft am Großglockner

Starker Wind, Schneefall und Dunkelheit machten das Weiterkommen unmöglich: Zwei Bergsteiger verbrachten die Nacht in einem Notbiwak am Großglockner, bevor Bergretter zu ihnen aufsteigen konnten.

Notbiwak auf 3700 Metern: Wettersturz stoppt Seilschaft am Großglockner
© picture alliance / Bildagentur-online/Frank Exss

Stüdlgrat am Großglockner: Wetterumschwung zwingt Alpinisten zu Notbiwak

Ein Wettersturz hat am Großglockner zwei tschechische Alpinisten zu einem ungeplanten Notbiwak gezwungen. Die Seilschaft musste die Nacht auf rund 3700 Metern Höhe im Bereich des Stüdlgrats verbringen, bevor sie am Montagvormittag (06. Juli 2026) von der Bergrettung Kals unterstützt werden konnte. Der 32-jährige Mann und seine 27-jährige Begleiterin waren am Sonntagmorgen über den Stüdlgrat zum höchsten Gipfel Österreichs aufgebrochen. 

Erst am frühen Nachmittag erreichten sie das sogenannte "Frühstücksplatzl" auf etwa 3550 Metern Höhe. Dort verschlechterten sich die Wetterbedingungen jedoch zunehmend: Starker Wind und Schneefall erschwerten den weiteren Aufstieg erheblich. Da die beiden Alpinisten nur noch langsam vorankamen und schließlich die Dunkelheit einsetzte, entschlossen sie sich, auf rund 3700 Metern ein Notbiwak zu errichten. Dort harrten sie die Nacht über bei winterlichen Bedingungen mit Wind und Schneesturm aus.

Am Montagmorgen setzte der Bergsteiger gegen 7:45 Uhr per Mobiltelefon einen Notruf ab. Eine direkte Hubschrauberbergung war aufgrund der schlechten Wetterverhältnisse zunächst nicht möglich. Deshalb stiegen zwei Bergretter der Bergrettung Kals am Großglockner zu der Seilschaft auf. Die Einsatzkräfte versorgten die beiden erschöpften Alpinisten zunächst mit Maßnahmen zum Wärmeerhalt. Anschließend konnten beide gemeinsam mit den Bergrettern selbstständig über den Normalweg zur Erzherzog-Johann-Hütte (Adlersruhe) absteigen. Im Einsatz standen sechs Mitglieder der Bergrettung Kals, ein Alpinpolizist sowie der Polizeihubschrauber Libelle Tirol.

Erst wenige Tage zuvor war ein 29-jähriger Alpinist, ebenfalls aus Tschechien, am Stüdlgrat rund zehn Meter abgestürzt, nachdem seine Selbstsicherung gerissen war. Wegen schwieriger Wetterbedingungen gestaltete sich die Rettung per Hubschrauber äußerst anspruchsvoll.

<p>Der Stüdlgrat von Nahem.</p>

Der Stüdlgrat von Nahem.

© picture alliance / APA-Images

Der Stüdlgrat auf den Großglockner: Anspruchsvolle, hochalpine Gratttour

Der Stüdlgrat gilt als einer der schönsten und beliebtesten Anstiege auf den Großglockner (3798 m). Die klassische Route führt von der Stüdlhütte über den ausgesetzten Südwestgrat zum höchsten Gipfel Österreichs und verlangt sicheres Klettern im II. bis III. Schwierigkeitsgrad (UIAA), absolute Trittsicherheit sowie alpine Erfahrung. Obwohl der Grat technisch moderat erscheint, machen die große Höhe, wechselhafte Wetterbedingungen, objektive Gefahren und der oft starke Andrang die Tour anspruchsvoll. Eine vollständige Hochtourenausrüstung sowie der sichere Umgang mit Sicherungstechniken sind Voraussetzung.

Notbiwak – wenn ein Weitergehen nicht mehr möglich ist

Ein Notbiwak ist eine ungeplante Übernachtung im Gebirge, die notwendig wird, wenn ein sicherer Abstieg oder Weiterstieg nicht mehr möglich ist – etwa durch Wettersturz, Dunkelheit, Erschöpfung oder Verletzungen. Ziel ist es, die Nacht möglichst geschützt zu überstehen und Wärmeverluste zu minimieren. Bei Hochgebirgstouren immer in den Rucksack müssen deshalb Biwaksack und zusätzliche Kleidung. Falls möglich, in der Notlage einen windgeschützten Platz aufsuchen. Eine sorgfältige Tourenplanung mit Wetterbeobachtung, ausreichend Zeitreserven und ggf. rechtzeitiger Umkehr bleibt jedoch der beste Schutz davor, überhaupt in eine solche Situation zu geraten.

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