Nach tödlichem Lawinenunglück am Broad Peak

Annapurna als "Nimsdai Annapurna"? Umstrittener Vorschlag in Nepal

Nach dem Tod von Nirmal Purja will seine Heimatregion an den Ausnahmebergsteiger erinnern. Geplant sind unter anderem ein Museum und eine Statue. Für Diskussionen sorgt jedoch ein weiterer Vorschlag: Die Annapurna könnte künftig Purjas Namen tragen.

Annapurna als "Nimsdai Annapurna"? Umstrittener Vorschlag in Nepal
© picture alliance / NurPhoto

"Nimsdai Annapurna": Umbenennung des Achttausenders sorgt für Debatte

Nach dem Tod von Nirmal "Nimsdai" Purja bei dem schweren Lawinenunglück am Broad Peak sucht seine Heimatregion nach Möglichkeiten, an den nepalesisch-britischen Rekordbergsteiger zu erinnern. Neben einem Museum und einer lebensgroßen Statue steht dabei ein polarisierender Vorschlag im Raum: Die 8091 Meter hohe Annapurna I könnte künftig den Zusatz "Nimsdai" im Namen tragen.

Wie das Bergsportportal ExplorersWeb und der Everest Chronicle berichten, hat die Gemeindeverwaltung der Annapurna Rural Municipality am 18. August 2026 entsprechende Pläne beschlossen. Purja war am 30. Juli gemeinsam mit neun weiteren Bergsteigerinnen und Bergsteigern von einer Lawine am Broad Peak erfasst und getötet worden.

<p>Gedenken an die Lawinenopfer.</p>

Gedenken an die Lawinenopfer.

© picture alliance / NurPhoto

Statue und Museum für Purja geplant

Weniger kontrovers sind zwei weitere Projekte: So soll eine lebensgroße Statue Purjas entstehen. Als möglicher Standort wird das Basislager der Annapurna genannt, eine endgültige Entscheidung steht allerdings noch aus. Auch ein Museum soll an Purjas Leben und seine alpinistischen Leistungen erinnern. Für das Museum werden mehrere Standorte in der Nähe von Purjas Geburtsort diskutiert. In die Planungen soll auch seine Familie einbezogen werden. 

Purja wurde im Dorf Dana im Distrikt Myagdi in der Provinz Gandaki geboren. Die Gemeinde begründet die geplanten Ehrungen mit Purjas Bedeutung für den Alpinismus und den Abenteuertourismus sowie mit seinen außergewöhnlichen sportlichen Leistungen.

Soll aus der Annapurna die "Nimsdai Annapurna" werden?

Deutlich weiter geht die Idee, die Annapurna I in "Nimsdai Annapurna" umzubenennen. Zusätzlich soll ein bekannter Trekkingweg seinen Namen tragen. Der bislang nach dem französischen Annapurna-Erstbesteiger Maurice Herzog benannte Weg könnte dem Vorschlag zufolge künftig "Nimsdai Maurice Herzog Trail" heißen. Gerade die mögliche Umbenennung des Berges ist jedoch kulturell sensibel. 

Annapurna ist kein beliebiger geografischer Name. Er stammt aus dem Sanskrit und ist eng mit der hinduistischen Göttin Annapurna verbunden, der Göttin der Nahrung und Fülle. Hinzu kommt ein bemerkenswerter historischer Aspekt: Nepalesische Gipfel werden traditionell nicht nach Persönlichkeiten benannt. Selbst Tenzing Norgay, der 1953 gemeinsam mit Edmund Hillary als erster Mensch nachweislich den Mount Everest bestieg, erhielt keinen Namenszusatz am höchsten Berg der Erde. Auch nach der Erstbesteigung der Annapurna im Jahr 1950 durch Maurice Herzog und Louis Lachenal blieb der Name des Berges unangetastet.

Entscheidung liegt nicht bei der Gemeinde

Ohnehin kann die lokale Verwaltung eine solche Namensänderung nicht allein beschließen. Der Vorschlag muss an die nepalesische Zentralregierung weitergeleitet werden. Erst diese könnte einer offiziellen Umbenennung zustimmen. Eine entsprechende Entscheidung hätte möglicherweise Signalwirkung weit über die Annapurna hinaus. In vielen Gebirgsregionen ist in den vergangenen Jahren eher der gegenteilige Trend zu beobachten: Traditionelle und indigene Bezeichnungen werden wieder stärker verwendet und Namen aus der Kolonialzeit zurückgedrängt.

Ein prominentes Beispiel ist Nordamerikas höchster Berg: Der lange offiziell als Mount McKinley bezeichnete Denali erhielt 2015 auf US-Bundesebene seinen traditionellen Namen zurück. Einstweilen ließ Präsident Trump diesen wieder ändern. Vor diesem gesammelten Hintergrund wäre die Ergänzung eines jahrhundertealten religiös und kulturell verwurzelten Himalaja-Namens um den Namen eines zeitgenössischen Bergsteigers mehr als ungewöhnlich.

Die 14 Achttausender der Erde
Die wichtigsten Infos auf einen Blick
Die 14 Achttausender der Erde

Wir haben für Euch die wichtigsten Infos zu allen 14 Achttausendern der Erde zusammengestellt. Klickt Euch durch die Slideshow!

zur Galerie

Purja und die Annapurna

Auch wenn Purja aus einer Region westlich der Annapurna stammt und der Dhaulagiri sein erster Achttausender war, spielte die Annapurna eine wichtige Rolle in seiner Karriere. 2019 begann er hier sein "Project Possible", bei dem er angab, alle 14 Achttausender innerhalb von sechs Monaten und sechs Tagen bestiegen zu haben und damit international bekannt wurde. Später kehrte Purja mehrfach an die Annapurna zurück, unter anderem als Expeditionsbergsteiger und Bergführer. Weltweite Bekanntheit erlangte der ehemalige Angehörige britischer Spezialeinheiten durch die Netflix-Dokumentation "14 Peaks: Nothing Is Impossible".

<p>Purja am Gipfel der Annapurna.</p>

Purja am Gipfel der Annapurna.

© Nirmal Purja/Instagram

Text von Lubika Brechtel

0 Kommentare

Kommentar schreiben