DAV fordert Kurswechsel bei der Klimapolitik
Der Deutsche Alpenverein (DAV) fordert von der Bundesregierung, Klimaschutz, Klimaanpassung und Naturschutz stärker miteinander zu verbinden. In einem offenen Brief an Bundeskanzler Friedrich Merz und die Mitglieder der Bundesregierung appelliert der Verband, die Folgen der Klimakrise nicht nur kurzfristig zu bewältigen, sondern langfristig gegenzusteuern.
Anlass ist die aktuelle Kabinettsklausur, bei der die Bundesregierung unter anderem über den Umgang mit Klimaschutz und den Folgen zunehmender Hitze beraten will. Der DAV sieht dabei dringenden Handlungsbedarf. Ankündigungen allein reichten nicht aus, konkrete Entscheidungen und eine verlässliche Finanzierung seien notwendig.

Schwindende Gletscher machen die Folgen der Klimakrise im Hochgebirge besonders sichtbar.
Gesperrte Wege und brüchiger Fels
Die Folgen des Klimawandels seien in den Bergen bereits deutlich zu beobachten, erklärt der DAV. Im Sommer 2026 habe es unter anderem gesperrte Wege, brüchigen Fels und Einschränkungen beim Hüttenbetrieb aufgrund von Wassermangel gegeben.
Auch der tauende Permafrost beschäftigt den Verband. Wenn dauerhaft gefrorener Untergrund auftaut, kann sich Gestein lockern und die Stabilität von Hängen und Felswänden beeinträchtigen. Starkregen kann zudem Muren auslösen und Zustiege beschädigen. "Wer heute bei Klima und Natur spart, zahlt morgen doppelt: mit gesperrten Wegen, teuren Schäden und verlorener Sicherheit", sagt DAV-Präsident Roland Stierle. Der wirksamste Schutz vor den Folgen künftiger Extremwetterereignisse sei konsequenter Klimaschutz.
DAV fordert sechs konkrete Maßnahmen
Klimaschutz konsequent umsetzen: Die Klimaziele für 2030 und 2040 sollen eingehalten und ein verbindlicher Klimacheck für Gesetze und Investitionen eingeführt werden.
Natürlichen Klimaschutz stärken: Moore, Böden, alpine Gewässer und Bergmischwälder sollen als Kohlenstoffspeicher geschützt und gestärkt werden.
Wiederherstellung finanzieren: Die EU-Wiederherstellungsverordnung und der Nationale Wiederherstellungsplan sollen umgesetzt und ausreichend finanziert werden.
Verkehrs- und Energiewende naturverträglich gestalten: Der öffentliche Nahverkehr in Bergregionen soll ausgebaut und der Ausbau erneuerbarer Energien natur- und artenschutzverträglich beschleunigt werden.
Alpine Infrastruktur berücksichtigen: Hütten und Wege sollen klimaangepasst gesichert werden, unter anderem durch wassersparende Umbauten und zusätzliche Speicherkapazitäten.
Klimaschutz jetzt finanzieren: Der DAV fordert, den Mehrjährigen Finanzrahmen 2028 bis 2034 und das LIFE-Programm der EU abzusichern.
Alpine Infrastruktur soll stärker unterstützt werden
Besonders relevant für den Bergsport ist die Forderung nach einer besseren Förderung von Hütten und Wegen. Nach Ansicht des DAV sind sie nicht nur touristische Infrastruktur, sondern auch Daseinsvorsorge und Schutzinfrastruktur im Gebirge. "Unsere ehrenamtlichen Teams setzen Wege und Hütten instand, die der Klimawandel oft schneller beschädigt, als wir reparieren können", sagt Ernst Schick, DAV-Vizepräsident für Hütten und Wege.
Ohne verlässliche Förderung drohe die Infrastruktur, die einen sicheren Zugang zu den Bergen ermöglicht, schrittweise verloren zu gehen. Der Verband fordert deshalb unter anderem klimaangepasste Umbauten, wassersparende Maßnahmen und größere Speicherkapazitäten für Hütten.

Starkregen und Muren erfordern zunehmend Investitionen in Wege und Brücken
DAV: Gletscher lassen sich nicht zurückholen
Der Alpenverein betont zugleich, dass er keine Rückkehr verschwundener Gletscher erwartet. Stattdessen müsse es darum gehen, die verbleibenden Ökosysteme sowie Menschen und Infrastruktur vor den Folgen der Erderwärmung zu schützen.
Für die Finanzierung fordert der DAV unter anderem, den Mehrjährigen Finanzrahmen der EU für 2028 bis 2034 und das LIFE-Programm abzusichern. Kürzungen bei Natur- und Klimaschutz seien angesichts der zunehmenden Folgen der Erderwärmung das falsche Signal.


5 Kommentare
Kommentar schreibenSehe es ähnlich wie @Fritz und werde Konsequenzen ziehen. Das darf man sich nicht länger bieten lassen. Herzlichen Dank für den Hinweis auf den AVS.
Das war es auch für mich mit dem DAV. Habe das schon länger gespürt, dass mir das nicht gefällt wie hier agiert wird. Es gibt zahlreiche ausländische Alternativen wo man als Deutscher unterkommen kann. Wie zum Beispiel der AVS, der Alpenverein Südtirol.
Hervorragender Kommentar von Bruno! Es ist unerträglich wie scheinheilig und verlogen dieser frühere Bergsteigerverein seine ideologischen Agenden vorantreibt!
Kann mich Bruno nur anschließen. Die Reisen mit dem Summit Club kann man dann auch bitte einstellen. Und anstatt der Regierung zu schreiben, wäre es sinnvoller sich mehr mit der Deutsche Bahn, MVV und ROV zu beschäftigen... Hab es neulich schon mal irgendwo geschrieben, die Verbindungen und Fahrzeiten sind echt ein Witz! Aber halt, wenn die Regierung nichts springen lässt, dann müssen wohl die Beiträge erhöht werden. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt...
Schöner Maßnahmenkatalog. Mir fehlt aber noch der Nachtrag: Und als Gegenleistung dazu verpflichtet sich der DAV zum Verzicht auf die Förderung von Massenveranstaltungen wie Treppchensteigen mit Skiern und das Präsentieren von Kletterkünsten in Hallen, bei denen im Rahmen von sog. olympischen Spielchen die Darsteller um die halbe Welt gekarrt und geflogen werden, und bei denen die Massen der Fans in der Mehrheit mit Auto und Flugzeug zum Anfeuern aus aller Welt nachgereist kommen.
Bestimmt hat das der DAV vergessen anzumerken, ich wollte ihn nur kurz daran erinnern, wie man die CO2-Emissionen auch durch überflüssige angeblich "alpine Sportarten" verringern kann. Bruno