- Jakob Schubert schreibt Klettergeschichte: Erste Wiederholung einer 9c-Route
- Erste unabhängige Bewertung einer 9c
- Von "Silence" bis "DNA": Die Geschichte des Grades 9c
- Zweimal 9c für Schubert – eine herausragende Stellung im Sportklettern
- Hintergrundwissen: Warum ist die erste Wiederholung so bedeutend?
Jakob Schubert schreibt Klettergeschichte: Erste Wiederholung einer 9c-Route
Vier Jahre lang blieb "DNA" in der französischen Verdonschlucht unwiederholt. Nun hat Jakob Schubert die von Sébastien Bouin 2022 erstbegangene Route geklettert. Der 35-jährige Österreicher ist damit der erste Kletterer, dem die Wiederholung einer 9c gelungen ist. Für Schubert ist es nach "BIG" in Norwegen bereits die zweite Begehung in diesem Schwierigkeitsgrad.
Der Erfolg gelang ihm am 10. Oktober 2026 im Klettergebiet La Ramirole in der Verdonschlucht. Dort hatte Bouin vier Jahre zuvor "DNA" erschlossen, die er mit 9c bewertete. Damals war es nach Adam Ondras "Silence" in Norwegen erst die zweite Route weltweit, für die dieser Grad vorgeschlagen wurde. Für Schubert war die Linie kein kurzfristiges Projekt, bereits 2022 hatte er sich mit der Linie beschäftigt.
Insgesamt reiste er dreimal in die Verdonschlucht, um an den schwierigen Bewegungsfolgen zu arbeiten und die Route vollständig zu klettern. Für seinen jüngsten Aufenthalt nahm sich der Tiroler besonders viel Zeit. Einen ganzen Monat plante er für das Projekt ein. Seine Versuche übertrug er dabei live auf YouTube – ein Konzept, das er bereits bei seiner Erstbegehung von "BIG" im norwegischen Flatanger verfolgt hatte.
Erste unabhängige Bewertung einer 9c
Diesmal ging es allerdings nicht darum, eine neue Route am Limit zu erschließen. Schubert wollte die bereits bestehende Linie wiederholen, deren Schwierigkeitsgrad bislang ausschließlich auf der Einschätzung ihres Erstbegehers beruht. Zwar wurden in den vergangenen Jahren mehrere Routen mit 9c bewertet, doch keine davon war wiederholt worden. Mit Schuberts Begehung hat sich das nun geändert.
Bestätigt der Österreicher die von Bouin vorgeschlagene Bewertung, wäre es die erste unabhängige Bestätigung des Schwierigkeitsgrads 9c überhaupt. Bislang ist allerdings noch offen, wie Schubert die Schwierigkeiten abschließend einschätzt.
Von "Silence" bis "DNA": Die Geschichte des Grades 9c
Eröffnet wurde der Schwierigkeitsgrad 9c 2017 von Adam Ondra. Dem Tschechen gelang damals in der Höhle von Hanshelleren im norwegischen Flatanger die Erstbegehung von "Silence". Mit seiner Bewertung verschob er die bis dahin bekannte Grenze des Sportkletterns. Fünf Jahre später folgte Sébastien Bouin mit "DNA" in der Verdonschlucht. 2023 gelang Jakob Schubert in Flatanger die Erstbegehung von "BIG", ebenfalls bewertet mit 9c.
Inzwischen sind zwei weitere Linien hinzugekommen: "Duality of Man", erstbegangen von Sean Bailey, und "Café Colombia" von Jorge Díaz-Rullo im spanischen Margalef. Auch für diese Routen wurde der Grad 9c vorgeschlagen. Bis auf "DNA" hat noch keine dieser Routen eine Wiederholung gesehen. Entsprechend fehlt bislang eine zweite unabhängige Einschätzung der Schwierigkeit.
Zweimal 9c für Schubert – eine herausragende Stellung im Sportklettern
Mit "DNA" baut Schubert seine ohnehin außergewöhnliche Bilanz im Sportklettern weiter aus. Der Österreicher gehört seit Jahren zur internationalen Spitze, sowohl am Fels als auch im Wettkampfklettern. Seine Erstbegehung von "BIG" im September 2023 hatte er nach intensiver Vorbereitung ebenfalls im Livestream gezeigt. Nun hat er als erster Athlet zwei verschiedene Routen dieses Schwierigkeitsgrads gesammelt.
Die fünf mit 9c bewerteten Routen:
Silence, Adam Ondra, 2017 Flatanger, Norwegen
DNA, Sébastien Bouin, 2022, Verdon, Frankreich
BIG, Jakob Schubert ,2023, Flatanger, Norwegen
Duality of Man, Sean Bailey, 2025, Dry Canyon, USA
Café Colombia, Jorge Díaz-Rullo, 2026, Margalef, Spanien
Hintergrundwissen: Warum ist die erste Wiederholung so bedeutend?
Im Sportklettern gibt es keine objektive Messmethode, die den Schwierigkeitsgrad einer Route eindeutig festlegt. Die Bewertung beruht auf der Einschätzung der Kletterer. Der Erstbegeher schlägt zunächst einen Grad vor, der anschließend durch Wiederholungen bestätigt oder gegebenenfalls korrigiert wird. Wie schwierig eine Route tatsächlich einzustufen ist, zeigt sich deshalb erst, wenn mehrere Athleten mit unterschiedlichen körperlichen Voraussetzungen und Kletterstilen sie bewältigt haben.


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