Alpine Notlage am Ostgrat

Alpinist stürzt an der Watzespitze zehn Meter ab – loser Fels löst Rettungseinsatz aus

Ein lockerer Felsblock wurde einem Bergsteiger an der Watzespitze zum Verhängnis: Der 54-Jährige stürzte am 04. Juli 2026 beim Abstieg via Ostgrat rund zehn Meter in die Tiefe und musste per Rettungshubschrauber geborgen werden.

Alpinist stürzt an der Watzespitze zehn Meter ab – loser Fels löst Rettungseinsatz aus.
© picture alliance / Zoonar

Watzespitze: Bergsteiger nach Absturz am Ostgrat gerettet

Ein 54-jähriger Alpinist aus Polen ist am Samstag bei einer Hochtour auf die Watzespitze (3532 m) am Tiroler Kaunergrat verletzt worden. Der Mann stürzte beim Abstieg über den anspruchsvollen Ostgrat rund zehn Meter in die Tiefe, nachdem sich ein Felsblock gelöst hatte. Der Bergsteiger war gemeinsam mit einem 44-jährigen Landsmann von der Kaunergrathütte aufgebrochen. Die beiden erreichten gegen 12:30 Uhr den Gipfel der Watzespitze und traten anschließend, weiterhin angeseilt, den Abstieg über den Ostgrat an.

Während des Abstiegs hielt sich der ältere der beiden Bergsteiger an einem größeren Felsblock fest. Dieser löste sich jedoch unter der Belastung, wodurch der Alpinist etwa zehn Meter abstürzte. Das gespannte Seil verhinderte einen weiteren Absturz, dennoch zog sich der Mann Verletzungen an der linken Hand, am Sprunggelenk sowie im Beckenbereich zu.

Da der Verletzte nicht mehr selbstständig weiter absteigen konnte, setzte die Seilschaft einen Notruf ab. Ein Rettungshubschrauber barg den 54-Jährigen aus dem steilen Gelände und brachte ihn zur weiteren Behandlung in ein Krankenhaus. Sein Seilpartner blieb unverletzt und konnte den Abstieg mit Unterstützung einer anderen Seilschaft fortsetzen.

Loser Fels – zunehmende Gefahr im Hochgebirge

Gerade im hochalpinen Gelände nimmt die Gefahr durch lockeren Fels zu. Frostsprengung, Gletscherrückgang und auftauender Permafrost können Felsblöcke destabilisieren. Selbst große Blöcke bieten deshalb nicht immer sicheren Halt. Bergsteiger sollten Griffe und Tritte möglichst vor der Belastung prüfen, ausreichend Abstand zu anderen Seilschaften halten und insbesondere in steilem Gelände stets mit Steinschlag oder nachgebendem Fels rechnen. Finden sich mögliche natürliche Sicherungspunkte entlang der Route (Zacken, Risse oder Köpferl) ist es oftmals sinnvoll, am laufenden Seil abzusteigen.

Fordert den alpinen Allrounder: Die Watzespitze

Die Watzespitze im Kaunergrat der Ötztaler Alpen gilt als einer der markantesten und anspruchsvollsten Gipfel der Region. Der Anstieg über den Ostgrat zählt zu den klassischen, aber ernsthaften Anstiegen in Tirol. Der Zustieg erfolgt in der Regel via Kaunergrathütte (2817 m). Von dort führt die Route über Blockgelände und Kletterpassagen (bis IV) in den Gratbereich, der zunehmend alpin und ausgesetzt wird. 

Der Ostgrat selbst bietet eine Kombination aus Kletterstellen im II. Schwierigkeitsgrad (UIAA), blockigem Gelände und teils brüchigem Fels. Trotz moderater technischer Einzelstellen erfordert die Tour insgesamt hohe alpine Erfahrung, da einerseits die Wegfindung herausfordernd ist. Hinzu kommen Steinschlag und objektive Gefahren im hochalpinen Gelände. Häufig wird die Route (bis auf die Kletterpassagen zu Beginn) am laufenden Seil begangen.

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