- Gela Allmann im Interview: Skibergsteigen ist hip!
- Gela Allmann: 800-Meter-Sturz überlebt – Unfall, Bergsport und Leben danach
- Vom Bergunfall zurück ins Leben: Gela Allmann über Angst und Überleben
- Leben nach dem Absturz: Familie, Mut und neue Stärke
- Unfallhergang: Der Moment zwischen Leben und Tod
- Kein Notruf: Gela Allmann für tot gehalten
- Absturz überlebt: Schmerz, Reha und Genesung
- Gela Allmann: Nach Nahtoderfahrung neue Kraft
Gela Allmann im Interview: Skibergsteigen ist hip! @(zwischenHeadlineTag)>
Frau Allmann, Sie sind nun ARD-Expertin für die Olympischen Spiele 2026 in Mailand und Cortina d‘ Ampezzo. Wie kam es aber eigentlich dazu?
Sage ich Ihnen gleich. Was ich zunächst einmal loswerden will, ist, dass Skibergsteigen eine großartige, sehr spannende Sportart ist, die es verdient hat, endlich olympisch ist.
Was ist denn so großartig?
Beim Sprint und auch beim Mixed Relay, welche beiden Disziplinen wir bei Olympia sehen werden, wird den Athleten wirklich alles abverlangt. Der Sport vereint alles: Schnelligkeit, Schnellkraft und pure Ausdauer beim Hochrennen. Absolute Präzision und Fokus bei den Wechseln, gefolgt von einem spannenden Downhill auf den dünnen Brettern und taktischem Einteilen der Kräfte. Das ist eine irre Kombination – auch für die Zuschauer!
„Sie ist neu, sie ist spektakulär, sie ist unterhaltsam: Die Trendsportart Skibergsteigen ist am Boomen“, schreibt die ARD, ihr neuer TV-Sender.
Jap, Skibergsteigen ist hip! Das sieht man ja auch beim Andrang in den heimischen Bergen. Und die beiden Diszipline, die wir bei Olympia sehen werden, werden den Menschen gefallen, da bin ich mir sicher. Deswegen freue ich mich jetzt schon, wie verrückt, dass ich den Sport den Menschen näherbringen darf.
Gela Allmann kommentiert als ARD-Expertin der Sportart "Skibergsteigen" die Olympischen Winterspiele.
Kam die ARD auf Sie zu?
Ein guter Freund von mir ist Dominik Klein, der 2007 mit der deutschen Handball-Nationalmannschaft Weltmeister wurde und seit Jahren als Experte für den Sender arbeitet. Beide sind wir Botschafter für Blutspenden des "Bayerischen Roten Kreuzes".
Dominik hat zu mir immer gesagt: "Gela, wenn Skibergsteigen olympisch wird, dann musst Du das machen". Ich habe aber gar nichts gemacht. Dominik hat einfach den Kontakt hergestellt (lacht). Es folgten sehr freundschaftliche, sehr nette Gespräche. Und jetzt freue ich mich darauf.
Gela Allmann: 800-Meter-Sturz überlebt – Unfall, Bergsport und Leben danach@(zwischenHeadlineTag)>
Sie selbst hatten vor mehr als zehn Jahren einen fürchterlichen Unfall. Ihre Psychologin sagte ihnen im Krankenhaus einen entscheidenden Satz zu Ihnen. !Gela, Du hast etwas verloren: Dein bisheriges Leben. Deshalb darfst du auch um dein altes Leben trauern, weil es weg ist, weil es fehlt." Teilen Sie aus heutiger Sicht eigentlich Ihr Leben ein? Eines bis zum bis zum Unglück und eines danach?
Für mich gibt es ein Leben bis zum 3. April 2014. Und eines danach.
Was unterscheidet diese Leben?
In meinem ersten bin ich unbekümmert und vielleicht auch ein wenig naiv durchs Leben gestolpert. Ich wollte etwas erreichen, ohne eigentlich genau zu wissen, was ich überhaupt erreichen wollte. Ich bin das ganze Jahr über die Berge hoch und runter gerast, war super erfüllt. Wenn ich bei den Bergläufen und den Skitourenrennen die Wettkampfsau sein konnte, war ich in meinem Element. Ich hätte mir nichts besseres vorstellen können.
Dann stürzten Sie in Island unglaubliche 800 Höhenmeter ab. Viele Menschen können sich das nicht vorstellen. Die Streif in Kitzbühel, die gefährlichste und brutalste Abfahrt der Welt, hat einen Höhenunterschied von 960 Metern und eine Länge von 3312 Metern. Wie nehmen Sie heute Ihr zweites Leben wahr, nachdem Sie etliche Kilometer auf der Eispiste Richtung Wasser schlitterten?
Meine Unbekümmertheit und meine Leichtigkeit, die mich früher prägten, sind nicht mehr da. Durch die hunderte Stunden Reha, war ich mit mir allein. Ich musste – ob ich nun wollte oder auch nicht – mich die ganze Zeit mit mir beschäftigen. Das war eine intensive und harte Zeit, aber auch eine schöne und lehrreiche. Heute bin ich ein anderer Mensch. Ich bin viel fokussierter, viel zielorientierter. Das heißt aber nicht, das alles gut ist.
Was steckt heute noch in Ihren Knochen? Angst, Verzweiflung?
Nicht nur in den Knochen, sondern auch im Geist und in der Seele. Wenn einem selbst mal klar wird, dass heute der Tag gekommen ist, an dem man sterben wird, macht das was mit einem. Ich habe dem Tod schließlich schon in die Augen geschaut.
Freuen Sie sich heute anders, wenn Sie auf einen Berg steigen?
Alles, was ich heute wieder mache, beziehungsweise machen kann, erlebe ich viel intensiver, viel heftiger. Erst vor einigen Tagen war ich mit meiner Freundin Sylvia am Stubacher Sonnblick für eine Skitour, haben uns geschmeidige 2000 Höhenmeter nach oben gequält (grinst). Das war für mich wie Himmel und Hölle zugleich. Kurz vor dem Gipfel standen wir plötzlich in einem etwas steileren Hang, mein Herz pochte wie wild.
ARD-Expertin Gela ist selbst Skibergsteigerin und im Winter sehr oft im Schnee unterwegs.
Warum machen Sie denn auch so etwas?
Mir ging es immer schon darum, das Maximale aus mir herauszuholen, mich zu spüren. Es war ja nicht so, dass ich mich wirklich in Gefahr brachte. Das, was mein Herz rasen ließ, waren die Erinnerungen an damals, an den Absturz. Am Abend nach der Skitour mit Sylvia war ich wieder ein Stück über mich selbst hinausgewachsen.
Vom Bergunfall zurück ins Leben: Gela Allmann über Angst und Überleben @(zwischenHeadlineTag)>
In den Monaten nach dem Unfall hatten Sie noch oft mit Panikattacken zu kämpfen. Einmal hatten Sie eine im Krankenhaus, als Ihnen bewusstwurde, dass Sie noch lange Zeit ans Bett gefesselt sein würden. Ein anderes Mal, als Sie mit dem Rollstuhl im Aufzug saßen, rauschte dieser unerwartet nach unten. Wie ist das heute?
Heute bin ich psychisch wieder ziemlich genesen. Das war jedoch nicht immer so. Die schrecklichen Bilder meines Absturzes brannten sich lange ins Gedächtnis. Das ging so weit, dass ich nachts tränenüberströmt und völlig panisch aufwachte. Mehr noch: Manchmal hatte ich sogar Angst meine Augen zu schließen, weil ich wusste, dass ich im Traum wieder unkontrolliert in die Tiefe stürzen könnte.
Deswegen habe ich in den vergangenen Jahren alles unternommen, was man unternehmen kann. Ich habe mit Psychologen gesprochen, mit Experten, die mein Zellgedächtnis erneuerten. Sie müssen wissen: Jede einzelne Zelle in meinem Körper war ja total traumatisiert…
…Moment! Und was haben die Ärzte da genau mit Ihnen gemacht?
Sie haben – wenn Sie so wollen – das Gedächtnis meiner Zellen gelöscht. Ich bin keine Medizinerin. So, wie ich es aber verstanden habe, haben die Spezialisten meine Zellen wie bei einer Festplatte am Computer neu formatiert. Mit neuen Gefühlen, mit neuen Emotionen. Ich weiß gar nicht, wie ich das erklären soll, ohne dass das dämlich oder esoterisch klingt. Sie haben einfach die bösen Geister und Gedanken in mir vertrieben.
Und das hat geklappt?
Eigentlich dachte ich, dass die meisten unguten Gedanken weg wären. Dann kam 2018 die Geburt meines ersten Kindes Felix. In diesem Ausnahmezustand ploppte mein Absturz wieder auf. Aber auch dieses Thema konnte ich noch vor der Geburt von Lilly, meiner Tochter, 2020 mit Hilfe einer Hypnotiseurin lösen. Heute bin ich psychisch stabil.
Ich bin kein Freund von hypothetischen Fragen. Diese würde ich Ihnen dennoch gerne stellen: Wie würde Ihr Leben aussehen, wenn Sie nicht abgestürzt wären?
Ich weiß nicht, ob ich noch mit meinem Partner von damals zusammen wäre. Ich hätte mein damaliges Leben wohl einfach so weitergelebt, wäre über kurz oder lang so aber nicht glücklich geworden.
Leben nach dem Absturz: Familie, Mut und neue Stärke @(zwischenHeadlineTag)>
Was macht ihr jetziger Mann Andi anders als ihr damaliger Partner?
Mein Freund hatte mich in unserer Beziehung in Watte gepackt. Das hat mir als Nesthäkchen in unserer Familie jahrelang richtig gutgetan und gefallen. Andi hingegen war ganz anders. Nach dem Unfall sah er in mir nicht die Gela, das Unfallopfer, sondern Gela, die Leistungssportlerin. Weil ich so kaputt war, nannte er mich immer nur "Baustelle". Das hört sich ziemlich frech an, war aber immer liebevoll und zugleich fordernd gemeint. Genau diesen Mix habe ich gebraucht, genau in diesen Menschen habe ich mich verliebt.
Was machen Sie heute den ganzen lieben langen Tag?
Motivationsvorträge sind mein Kerngeschäft. Dabei spreche ich vor großen deutschen Unternehmen, Anwaltskanzleien und Wirtschaftsprüfern von Mut, Herausforderungen und mentaler Stärke. Ich kann wahrscheinlich wie nur wenige berichten, wie es ist, wenn man wirklich sprichwörtlich am Boden liegt.
Die Menschen wollen wissen, wie man es schafft, nach so einem schweren Schicksal wieder zurückzukommen. Ich will aber nicht nur Menschen in Unternehmen meine Expertise weitergeben und arbeite an meinem Online-Kurs "Komme in deine mentale Stärke", den ich heuer herausbringen möchte. Einfach ist das aber nicht.
Wieso?
Mein Mann, der sich vor acht Jahren sich bei einem Mountainbike-Unfall beide Füße zertrümmerte, ist auch viel unterwegs. Andi baut Bikeparks in ganz Deutschland. Und dann gibt es ja noch Lilly und Felix – unsere Kinder. Wir versuchen, so gut es eben geht, irgendwie alles unter einen Hut zu bekommen. Bei unserem gemeinsamen Kalender gilt deswegen stets die goldene Regel: First come, first serve. Wer sich zuerst einträgt, darf verreisen (lacht).
Unfallhergang: Der Moment zwischen Leben und Tod @(zwischenHeadlineTag)>
Können Sie uns bitte nochmal auf die Reise zu Ihrem Sturz mitnehmen?
Für das perfekte Bild war alles angerichtet. Unter uns glitzerte das Wasser der isländischen Fjorde, über uns strahlte die Sonne. Besser ging es nicht, als wir zu dritt dort oben auf dem Gipfelplateau ankamen. Mit "wir" meine ich Tobi, ein Redakteur und Baschi, der Fotograf. Baschi stand vor mir, Tobi hinter mir, als ich einen Schritt zurückging, damit das Bild etwas dynamischer aussah. Zu dem Zeitpunkt hatte ich meine Stöcke in der Hand, die Skier hinten am Rucksack befestigt. Ich weiß noch, dass ich irgendwie ein ungutes Gefühl hatte.
Und dann?
Bin ich schon weggerutscht. Anfangs dachte ich noch: "Mei, da haue ich meinen Skischuh in den Schnee und gut ist." Dann merkte ich aber, dass der Hang viel vereister war als der beim Aufstieg über die Südseite. Ich schoss wie eine Kanonenkugel den steilen Abhang hinunter. Ein Bremsen war nicht möglich.
Ich hatte keine Steigeisen an den Füßen, keinen Eispickel in der Hand. Zu allem Übel hatte ich wie beim Skitouren üblich im Aufstieg keinen Helm auf keinen Helm auf. Statt mich an irgendetwas festzuhalten, wurde ich schneller. Schneller und immer schneller.
Wie ging es weiter?
Erst überschlug ich mich, dann brach mein Knie wie so ein Scharnier bei einem Ikea-Schrank. Eigentlich hat dieses – genauso wie mein Knie – einen 90 Grad-Winkel. Das hatte mein Knie nicht mehr. Mein Fuß unterhalb des Knies flog nach hinten und nach vorne.
Nach vorne?
Mir donnerte mein Schienbein ins Gesicht, dann brach meine linke Schulter. Und es kam noch schlimmer: Kopf voraus und auf dem Bauch schoss ich über die nächste Kuppe. In dem Moment wünschte ich mir, dass ich einfach nur bewusstlos werden könnte. Stattdessen registriere ich, dass mein ganzer Körper nur noch matsch war. Alles war kaputt. Und dann wurde mir klar. Das hier ist mein Leben. Und das wird gleich vorbei sein.
"Es ist, als würde man auf mich schießen. Erst ein Streifschuss, dann der erste Treffer. Ein, zwei Schüsse kann jeder ganz gut wegstecken. Aber die Pistole hält gnadenlos weiter auf mich drauf. Peng, peng, peng! Gleich wird der letzte, alles entscheidende Schuss kommen und mein Leben auslöschen", schreiben Sie in Ihrem ersten Buch.
Ehrlich gesagt will ich daran gar nicht mehr denken, es war wirklich grausam. Ich weiß noch, dass ich an meine Freunde und Familie gedacht habe und mir das einen irren Motivationsschub gegeben hat. Mit letzter Kraft habe ich den nicht ganz so kaputten Fuß in den Schnee gerammt und konnte mich irgendwie stoppen. Kurz, bevor ich sonst über das 50 Meter hohe Kliff in den eiskalten Fjord gefallen wäre. In meinem Zustand hätte ich mich keine Sekunde über Wasser halten können, ich wäre sofort ertrunken.
Wie haben Sie es trotzdem geschafft?
Wir haben alle so viel mehr Kraft in uns, als wir uns vorstellen können.
Verzeihen Sie die Frage: Hatten Sie arge Schmerzen?
Während dem Sturz habe ich tatsächlich nichts gespürt, nur registriert. Aber in dem Moment, als ich mich unten selbst gestoppt habe, ist mir der Schmerz in alle Glieder geschossen. Ich hätte nicht sagen können, wo er anfing und wo er aufhörte, er war überall, es war brutal. Ich schöpfte aber Hoffnung, als Baschi und Tobi zu mir stießen. Die dauerte aber auch nur kurz, bis ich merkte, dass sie erst jetzt die Rettung anriefen.
Kein Notruf: Gela Allmann für tot gehalten @(zwischenHeadlineTag)>
Warum haben Sie das nicht gleich gemacht?
Sie konnten es sich nicht vorstellen, dass ich diesen Absturz überleben würde. Sie kümmerten sich dennoch rührend um mich, konnten aber wenig tun. Jede noch so kleine Bewegung löste höllische Schmerzen aus. Es tat aber einfach nur gut, dass sie bei mir waren.
Kam dann der Notarzt angeflogen?
In Island gab es keinen Rettungs-Heli, weswegen sie mich in einem Touristen-Hubschrauber ins nächste Spital geflogen haben. Zuvor mussten sie aber die Sitze ausbauen, sonst hätte ich liegend gar nicht reingepasst. Normalerweise wird er ja nur für Heliskiing-Einsätze verwendet und nicht für Rettungs-Transporte.
Das bedeutet?
Der Heli war zu klein, deshalb ragten meine Füße aus dem Helikopter heraus. Am rechten hatte es mir während des Sturzes den Skischuh ausgezogen. Was lustig klingt, war echt die Hölle. Ich dachte, ich friere mir obendrein auch noch die Zehen ab. Rückblickend war das eigentlich großes Glück.
Weil?
Zu dem Zeitpunkt war die Hauptarterie in meinem rechten Bein schon abgerissen, mein Unterschenkel seit Stunden schon nicht mehr mit Sauerstoff versorgt. Die Ärzte gingen davon aus, dass sie mir das Bein abnehmen müssen. Sie haben wohl dort, so haben sie es mir später erzählt, noch niemanden gehabt, dessen Unterschenkel sieben, acht Stunden von der Blutbahn abgeschnitten war und den sie noch retten konnten. Normalerweise ist nach fünf, sechs Stunden Schluss, eine Amputation eigentlich unausweichlich.
Haben Sie Superkräfte?
(Lacht) Nein! Aber zu dem Zeitpunkt, als ich verunfallte, war mein Körper ein einziger Muskel. Ich war im März 2014 voll trainiert, so fit wie nie zuvor. Mein Körper funktionierte wie eine Maschine, ich konnte mich immer auf ihn verlassen. Das wusste ich. Ich wusste nun aber auch, dass damit nun Schluss war.
Von einem Tag auf den anderen. Mir war klar, dass ich Wochen, wenn nicht Monate ans Bett gefesselt sein werde. Ich lag dort im Krankenhaus, Schläuche gingen in meinen Körper rein und wieder raus. Nicht einen Finger konnte ich bewegen.
Fühlten Sie sich lebendig begraben?
Ich war froh, dass ich noch an einem Stück war, dass mein rechtes Bein trotz des Hauptarterienabrisses noch dran war. Ich realisierte sehr schnell, dass das alles andere als selbstverständlich war und ich wahnsinniges Glück gehabt hatte, auch, wenn das ewige Liegen auf dem langen Genesungsweg echte Folter für mich war.
Absturz überlebt: Schmerz, Reha und Genesung @(zwischenHeadlineTag)>
War damit alles überstanden?
Ich hatte die ersten Wochen nach dem Unfall noch Angst, dass es mein Unterschenkel wegen der Schwere der Verletzungen nicht schafft, aber ich versuchte immer positiv zu bleiben, war gottfroh, als ich nach den ersten zwei Wochen im Krankenhaus in Island nach Deutschland geflogen werden konnte und die Sprache erstmal wieder verstand. Auch in den nächsten Monaten gab es immer wieder Rückschläge klar. Die gehören bei so einem Reha-Prozess wohl aber dazu.?
Welche meinen Sie?
Bei dem Sturz hat es mir auch einen Nerv im Bein abgerissen. Das hört sich erst mal nicht so dramatisch an, war es aber. Es war der "Fußheber", der dafür zuständig ist, dass man seinen Fuß angeben und somit laufen kann. Also musste er auch operiert werden.
Und?
Der Arzt meinte erstaunt, dass er noch nie so etwas gesehen habe, der Nerv sei total zerfetzt gewesen. Deswegen habe ich alles unternommen, dass dieser blöde Nerv endlich wieder wächst. Ich war ja fast vier Jahre lang jeden Tag in der Reha oder beim Physiotherapeuten.
Wahrscheinlich werden Sie lachen, aber ich habe jeden Tag auf den Nerv eingeredet. "Wir müssen das schaffen, wir müssen das schaffen, wir müssen das schaffen", habe ich zu ihm gesagt. Und heute kann ich sagen: Wir haben es geschafft! Zwar kann ich meine Fußspitze nicht so gut wie links anheben, dennoch kann ich wieder einigermaßen rund laufen.
Hätte ein Mensch, der nicht so durchtrainiert war, den Unfall überlebt?
Das weiß ich nicht. Das einzige, was ich sagen kann, ist das, was mir die Ärzte gesagt haben. Normalerweise hätten meine Muskeln im Bein längst abgestorben sein müssen. Normalerweise hätte ich innerlich verblutet sein müssen. Ist alles nicht passiert. Das lag wohl an meiner guten körperlichen Verfassung und meinem Ehrgeiz als Sportlerin. Aufgeben – und das habe ich in den ganzen Jahren gelernt – war und ist nie eine Option.
Haben Sie heute eigentlich noch körperliche Einschränkungen?
Ich zeige es nicht so gerne, habe aber immer noch einige Probleme. Einfach mal so auf den Berg mit den Kindern gehen, geht nicht. Ich muss mir überlegen, wohin wir rauf wandern. Idealerweise laufen wir alle zu viert hoch, fahren dann mit der Bahn wieder runter. Sie müssen wissen: im rechten Knie ist ja nix mehr drin.
Was fehlt?
Ich habe kein Kreuzband, keinen Meniskus, keine Bänder und keine Knorpel. Deswegen bekomme ich alle paar Wochen Hyaluron reingespritzt. Im Moment tut auch meine linke Schulter, die ich zertrümmert habe, auch wieder weh. Ebenso mein Rücken, ich hatte ja auch einen Lendenwirbel gebrochen. Vielleicht werde ich aber auch einfach nur alt (lacht).
Gela Allmann: Nach Nahtoderfahrung neue Kraft @(zwischenHeadlineTag)>
Was werfen Sie sich selbst bei dem Unglück vor?
Das einzige, was ich mir vorwerfen kann, ist, dass ich damals nicht auf mich und mein Bauchgefühl gehört habe. Ich wollte damals auf keinen Fall der blonde Angsthase sein, der sich nicht traut, obwohl mir die Steilheit des Hanges mulmig war und ich die Ski lieber angelassen hätte, anstatt sie auf den Rücken zu schnallen, da wir ja keine Steigeisen an den Füßen hatten.
Rückblickend hätte ich sagen sollen: "Jungs, das funktioniert so für mich nicht, ich habe kein gutes Gefühl." Heute weiß ich, dass es ein Zeichen von Stärke gewesen wäre, zu dieser vermeintlichen "Schwäche" zu stehen. Stattdessen habe ich mich verhalten, wie sich Frauen leider viel zu oft in solchen Situationen verhalten. Ich habe mich angepasst. Dies ist aber auch eines meiner größten Learnings.
Ihr damaliger Partner hat sie nach dem Unfall, so schreiben sie es in ihrem ersten Buch, mit einem Schmetterling verglichen. Nur eben einer mit gebrochenen Flügeln. "Wichtig sei vor allem, dass die Flügel noch dran sind, dann könnte ich eines Tages auch wieder fliegen", schreiben Sie. Wie geht es dem Schmetterling heute?
Ich fliege wieder, sogar höher als je zuvor. Und das trotz der Narben auf meinen Flügeln. Oft habe ich sogar das Gefühl, dass ich noch glücklicher und noch zufriedener wie viele andere Schmetterlinge durch die Luft flattere. Und noch was kommt hinzu?
Bitte sagen Sie es mir.
Trotz der einen oder anderen körperlichen Einschränkung fühle ich mich als Schmetterling noch schöner und hübscher als je zuvor. Vielleicht liegt das an meinem zweiten Leben.
The End



1 Kommentar
Kommentar schreibenIch wünsche ihr weiterhin gute Besserung und das sie Gefahren zukünftig erkennt und eine lange und erfolgreiche Zeit beim Fernsehen. Ich freue mich schon aufs Skibergsteigen.