Erste offizielle Wiederholung seit 34 Jahren

Martin Sieberer und Lukas Waldner gelingt anspruchsvolle Winterbegehung an der Sagwandspitze

Am 20. Januar 2026 gelang den österreichischen Alpinisten Martin Sieberer und Lukas Waldner die erste Winterbegehung des "Schutzengelwegs" in der Nordwand der Sagwandspitze im Valsertal. Das Alpinistenduo verbuchte mit ihrer Begehung die erste bekannte Wiederholung seit 34 Jahren für sich.

Martin Sieberer und Lukas Waldner gelingt Winterbegehung an der Sagwandspitze
© Instagram/Lukas Waldner

Der Schutzengelweg: Eine fast vergessene Linie in der Sagwandspitze-Nordwand

Am 20. Januar 2026 gelang den Tiroler Alpinisten Martin Sieberer und Lukas Waldner die Winterbegehung des "Schutzengelwegs" an der Sagwandspitze-Nordwand im Tiroler Valsertal. Damit verbuchte die Seilschaft die erste bekannte Wiederholung seit 34 Jahren für sich. Zuletzt hatten Anfang der 1990er-Jahre zwei Teams die Route wiederholt, seither blieb die Linie über drei Jahrzehnte unbegangen.

Der Schutzengelweg wurde im Juli 1982 von Andreas Orgler und Reinhard Schiestl erstbegangen. Ältere Führer beschreiben die Route als extrem anspruchsvoll mit schwieriger Absicherung, generell schlechter Felsqualität und mehreren extrem brüchigen Passagen. Zudem haben Steinschläge im Laufe der Jahre verschiedene Passagen stark verändert.

In 17 Stunden zum Erfolg gekämpft

Sieberer und Waldner starteten im Tal und erreichten um 19 Uhr den Gipfel der Sagwandspitze. Die rund 800 Meter lange Route war von der Erstbegehergruppe ursprünglich mit VI+ bewertet worden. Unter winterlichen Bedingungen erreichten die Schwierigkeiten in den Mixed-Passagen M7+. Insgesamt war das Team 17 Stunden unterwegs. Der Aufstieg beinhaltete mehrere anspruchsvolle Seillängen – insbesondere in Fels und Mixed-Gelände – und erforderte "konzentriertes Klettern unter winterlichen Bedingungen".

Etwas mehr als einen Monat zuvor hatten Sieberer und Waldner bereits mit Benjamin Zörer in der Sagwand-Nordwand die anspruchsvolle Sagzahn-Verschneidung geklettert. Diese Route war 2018 von David Lama erstbegangen worden und bis dahin nur einmal wiederholt worden: im Jahr 2020 von David Bruder und Martin Feistl. Mit dem Schutzengelweg ist Waldner die zehnte Begehung der Sagwandspitze-Nordwand innerhalb der letzten zwei Jahre gelungen.

"Gleich in den ersten beiden Seillängen gelang es uns, eine neue, anspruchsvolle Direktvariante einzurichten. Die folgenden Seillängen waren … besonders. Niemand hatte dieses Gelände seit über 30 Jahren betreten – und noch nie im Winter (bis auf drei Meter, wo die Route ein neues Projekt kreuzt). Nach sieben harten Seillängen zwischen M6 und M7+ führten uns leichtere Passagen auf steilem Eis, verschneiten Absätzen und Platten zum Ausstieg. Kurz vor 19 Uhr standen wir auf dem Gipfel der Sagwand. Ein ziemlich intensiver, schwer zu beschreibender Tag: fast 17 Stunden unterwegs, mit einigen anspruchsvollen Seillängen", fasst Waldner auf Instagram die Begehung zusammen.

Text von Lubika Brechtel

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