Ausbildung zum Bergwanderführer

Bergwanderführer werden: So läuft die Ausbildung in Deutschland

Wandern können reicht nicht: Wer professionell Gruppen durch die Berge führen möchte, muss viel alpine Erfahrung, Kondition und Bewegungssicherheit mitbringen. Der Weg zum VDBS-Bergwanderführer und UIMLA International Mountain Leader führt über ein umfangreiches Tourenbuch, einen anspruchsvollen Kompetenztest und eine mehrjährige Ausbildung in Sommer und Winter. Wir erklären, was Bewerber können müssen – und wofür die internationale UIMLA-Qualifikation wichtig ist.

Bergwanderführer brauchen auch Know-how zu den Bergen, Flora und Fauna.
© Roman Knopf

Wer viel in den Bergen unterwegs ist, hat vielleicht schon einmal mit dem Gedanken gespielt: Warum nicht selbst Wandergruppen führen? Tatsächlich gibt es dafür in Deutschland eine professionelle Ausbildung. Der Verband Deutscher Berg- und Skiführer (VDBS) bildet seit 2009 Bergwanderführer aus. Wer die Ausbildung erfolgreich abschließt, erwirbt zugleich die Qualifikation als UIMLA International Mountain Leader.

Der Weg dorthin beginnt allerdings nicht mit einem Grundkurs im Bergwandern. Im Gegenteil: Bewerber müssen bereits erfahrene Bergsteiger sein und sich auch auf anspruchsvollen Wegen, in weglosem Gelände und in leichten Kletterpassagen sicher bewegen können.

Bergführerin und Ausbilderin Ragna Krückels beschäftigt sich seit vielen Jahren mit der Ausbildung im Bergsport. Entscheidend ist für sie, dass Lernen nicht mit einem erreichten Ausbildungsstand endet. "Es gilt beim Bergsteigen wie auch im Leben im Tal, dass wir bis zum Lebensende lernen", sagt sie.

Für angehende Bergwanderführer gilt das ganz besonders: Die eigene bergsteigerische Erfahrung bildet lediglich die Voraussetzung. Erst in der Ausbildung kommt der Perspektivwechsel vom selbstständigen Bergsteiger zum professionellen Führenden.

Der Weg zum Bergwanderführer

  • 1. Tourenerfahrung sammeln: Anspruchsvolle T3- und T4-Touren, weglose Bergtouren und leichte Kletterpassagen müssen bereits beherrscht werden.

  • 2. Tourenbericht einreichen: Der VDBS prüft die alpine Erfahrung der Bewerber.

  • 3. Kompetenztest bestehen: Kondition, Orientierung und Bewegungstechnik werden geprüft.

  • 4. Ausbildungsplatz erhalten: Maximal 36 Bewerber eines Jahrgangs werden aufgenommen.

  • 5. Sommer- und Winterausbildung: 42 Ausbildungstage plus 15 Tage Praktikum.

  • 6. UIMLA-Abschlussprüfung: Nach frühestens zweieinhalb Jahren ist der Abschluss zum VDBS-Bergwanderführer und UIMLA International Mountain Leader möglich.

<p>Auch ausgesetztes Gelände darf für den Bergwanderführer kein Problem sein.</p>

Auch ausgesetztes Gelände darf für den Bergwanderführer kein Problem sein.

© Roman Knopf

Die erste Hürde: ein umfangreiches Tourenbuch

Bevor überhaupt ein Platz in der Ausbildung in Sicht kommt, müssen Bewerber ihre Bergerfahrung nachweisen. Dafür verlangt der VDBS einen detaillierten Tourenbericht.

Gefordert werden unter anderem zahlreiche Touren auf roten und schwarzen Bergwegen beziehungsweise im Schwierigkeitsbereich T3 und T4 sowie Unternehmungen im überwiegend weglosen alpinen Gelände und mit leichten Kletterstellen.

Der Tourenbericht ist mehr als eine Formalität. Er soll zeigen, dass sich Bewerber bereits über Jahre eine breite alpine Erfahrung erarbeitet haben. Die Ausbildung selbst ist keine Grundausbildung für Bergwanderer.

<p>Eine professionell geführte Wanderung unterschiedet sich stark von der privaten Tour mit Freunden.</p>

Eine professionell geführte Wanderung unterschiedet sich stark von der privaten Tour mit Freunden.

© Roman Knopf

Wer darf zur Aufnahmeprüfung?

Nach Sichtung der Bewerbungsunterlagen entscheidet der VDBS, wer zum sogenannten Kompetenztest eingeladen wird. Dieser ist Voraussetzung für die Teilnahme an der eigentlichen Ausbildung. Für den aktuellen Jahrgang findet er am 10. oder 11. Oktober 2026 im Tannheimer Tal statt.

Erwartet werden neben umfangreicher Bergerfahrung gute Kondition, Orientierungssicherheit sowie ein souveränes Bewegungsverhalten auf anspruchsvollen Wegen, im Schotter und im weglosen Gelände.

<p>Typisches Gelände für den Abfahrtstest bei der Bergwanderführer-Prüfung. Hier kommt es auf eine sichere Darstellung des eigenen Könnens an!</p>

Typisches Gelände für den Abfahrtstest bei der Bergwanderführer-Prüfung. Hier kommt es auf eine sichere Darstellung des eigenen Könnens an!

© Roman Knopf

Genau hier beginnt der Unterschied zwischen einem guten Bergsteiger und einem späteren Bergwanderführer. Bergführer und VDBS-Ausbilder Thomas Steber bringt ihn auf einen einfachen Punkt: "Es macht schon einen Unterschied, ob du wirklich führen musst oder ob du privat unterwegs bist."

Denn wer eine Gruppe führt, kann sich nicht ausschließlich auf den eigenen Schritt, die eigene Kondition und den eigenen Weg konzentrieren. Er muss gleichzeitig die Leistungsfähigkeit seiner Gäste, das Gelände, das Wetter und den zeitlichen Ablauf im Blick behalten.

Aufnahmeprüfung: Kondition allein genügt nicht

Ein unübersehbarer Teil des Kompetenztests ist der Konditionstest: Rund vier Kilometer Strecke und etwa 850 Höhenmeter müssen innerhalb von höchstens 1 Stunde und 25 Minuten bewältigt werden. Dabei soll zügig gegangen und nicht gelaufen werden. VDBS

Wer schnell bergauf kommt, hat die Aufnahmeprüfung damit allerdings noch lange nicht bestanden. Geprüft werden ebenfalls Orientierung, sicheres und ökonomisches Bewegen im weglosen Gelände, Gehen in Geröll sowie leichte Kletterpassagen. 

<p>Prüfung im Schrofengelände: Sichere, katzengleiche Bewegungsmuster sind hier gefragt.</p>

Prüfung im Schrofengelände: Sichere, katzengleiche Bewegungsmuster sind hier gefragt.

© Roman Knopf

Dahinter steckt ein wichtiger Gedanke: Ein Bergwanderführer darf im anspruchsvollen Gelände nicht seine gesamte Konzentration für die eigene Fortbewegung benötigen. Bewegung und Orientierung müssen so selbstverständlich funktionieren, dass genügend Aufmerksamkeit für Gäste, Wetter, Route und mögliche Gefahren bleibt. Der Kompetenztest soll deshalb nicht herausfinden, wer der stärkste Bergsteiger ist. Er prüft, ob die Basis vorhanden ist, auf der die eigentliche Ausbildung aufbauen kann.

Ausbildung über mindestens zweieinhalb Jahre

Wer einen Ausbildungsplatz erhält, steht erst am Anfang. Die VDBS-Ausbildung umfasst insgesamt 42 Ausbildungstage in Sommer und Winter. Dazu kommen 15 Praktikumstage an einer Berg- oder Bergwanderschule. Frühestens nach zweieinhalb Jahren kann die Ausbildung abgeschlossen werden, spätestens nach fünf Jahren muss sie beendet sein. 

<p>Unterwegs mit der Gruppe: Hier sind lare Ansagen gefordert.</p>

Unterwegs mit der Gruppe: Hier sind lare Ansagen gefordert.

© Roman Knopf

Bergführer Thomas Steber, seit 2018 Ausbilder in der VDBS/UIMLA-Bergwanderführerausbildung, beschreibt den Aufbau so: "Für den Sommer gibt es Theorie, einen Sommerlehrgang über eine Woche und ein Sommerbiwak – und im Winter im Prinzip exakt das Gleiche."

Konkret besteht das Ausbildungsprogramm aus jeweils zwei siebentägigen Sommer- und Winterlehrgängen, je einem dreitägigen Theorie- und Anwendungslehrgang im Sommer und Winter sowie jeweils einer dreitägigen Biwakausbildung. Am Ende steht eine zweitägige UIMLA-Abschlussprüfung. 

Gerade die Biwaks sollen die Kandidaten aus dem geregelten Lehrgangsbetrieb herausholen. "Die Biwaks sind jeweils drei Tage – auch mal mit Nachtwanderungen und draußen schlafen", erklärt Steber.

<p>Gemeinsam auf Bergtour müssen die Fähigkeiten aller Teilnehmer berücksichtigt und in Einklang werden.</p>

Gemeinsam auf Bergtour müssen die Fähigkeiten aller Teilnehmer berücksichtigt und in Einklang werden.

© Roman Knopf

Was lernt ein Bergwanderführer?

Das Ausbildungsprogramm ist entsprechend breit. Im Sommer gehören unter anderem Wetter- und Ausrüstungskunde, Orientierung, Tourenplanung, alpine Gefahren, Risikomanagement, Gruppenführung, Erste Hilfe, Rettungsmaßnahmen, Gewässerüberquerungen, Biwakieren sowie rechtliche Grundlagen und Natur- und Umweltschutz dazu. 

Im Winter kommen Schnee- und Lawinenkunde, die Interpretation des Lawinenlageberichts, Risikomanagement im winterlichen Gelände, Schneeschuhtechnik, LVS-Suche, Erste Hilfe sowie der Bau von Schneeunterkünften und das Winterbiwak hinzu.

Doch es geht nicht darum, diese Themen einzeln abzuhaken. Am Ende müssen sie draußen zusammengeführt werden. Thomas Steber beschreibt genau das als entscheidenden Prüfstein: "Da wird natürlich geschaut: Könnt ihr das, was ihr in der Ausbildung gelernt habt, auch umsetzen? Wetter, Orientierung, Gruppenführung, alpine Gefahren – die ganze Thematik."

Vom guten Bergsteiger zum guten Führer

Eine der vielleicht größten Veränderungen während der Ausbildung findet deshalb nicht in den Beinen statt, sondern im Kopf: Der Blick richtet sich zunehmend weg vom eigenen Bergsteigen und hin zur Gruppe.

Wer alleine oder mit Freunden unterwegs ist, trifft Entscheidungen zunächst für sich selbst. Ein Bergwanderführer trägt dagegen Verantwortung für Menschen mit unterschiedlichen Voraussetzungen, Erfahrungen, Erwartungen und Ängsten.

Für Bergführer und Erlebnispädagoge Chrisitan Kerber heißt das: "Führen besteht nicht nur aus Tourenplanung und Navigation. Ein Guide muss Menschen beobachten können, eine Gruppe einschätzen, kommunizieren, Unsicherheiten wahrnehmen und Entscheidungen vermitteln." Genau deshalb nehmen Führungstechnik und Gruppenführung einen festen Platz in der Ausbildung ein.

<p>Auch bei schlechtem Wetter und geringer Sicht muss der Bergwanderführer die  Navigation im Griff haben.</p>

Auch bei schlechtem Wetter und geringer Sicht muss der Bergwanderführer die  Navigation im Griff haben.

© Roman Knopf

15 Tage Praktikum: Führen lernt man beim Führen

Ein weiterer wichtiger Baustein sind die vorgeschriebenen Praktikumstage. Kandidaten begleiten erfahrene Berg- oder Bergwanderführer bei realen Führungen und lernen damit einen Teil des Berufs kennen, den keine Prüfungssituation vollständig simulieren kann.

Denn im Alltag eines Guides geht es nicht nur darum, den Weg zu finden. Touren müssen geplant, an Wetter und Verhältnisse angepasst und manchmal kurzfristig geändert werden. Dazu kommen Organisation, Kommunikation mit Gästen und Entscheidungen unterwegs.

Die Ausbildung verbindet deshalb technisches Können, Risikomanagement und menschliche Führung miteinander.

Was darf ein Bergwanderführer führen?

Der Tätigkeitsbereich ist klar vom Beruf des staatlich geprüften Berg- und Skiführers abgegrenzt. UIMLA International Mountain Leader dürfen Wanderungen, Trekkingtouren und Schneeschuhtouren führen – auch in großer Höhe und in anspruchsvollem Berggelände.

Die Grenze liegt dort, wo klassische alpinistische Techniken erforderlich werden. Touren auf Gletschern oder permanenten Schneefeldern sowie Unternehmungen, bei denen der geplante Einsatz eines Seils zur Sicherung notwendig ist, oder auch Klettersteige gehören nicht zum Tätigkeitsbereich eines UIMLA International Mountain Leader.

<p>Die drei Bergführer Ragna Krückels, Thomas Steber und Christian Kerber im Gespräch.</p>

Die drei Bergführer Ragna Krückels, Thomas Steber und Christian Kerber im Gespräch.

© Roman Knof

Am Ende steht die UIMLA-Prüfung

Wer die Ausbildung erfolgreich beendet, erhält gleichzeitig die internationale Qualifikation als UIMLA International Mountain Leader (IML).

UIMLA steht für Union of International Mountain Leader Associations. Der internationale Verband legt gemeinsame Mindeststandards für Ausbildung, Prüfungen und berufliche Fortbildung fest. Die nationalen Mitgliedsverbände führen Ausbildung und Prüfungen nach diesen Standards durch. Damit wird der Abschluss international vergleichbar und anerkannt.

Wofür braucht man den UIMLA-Schein?

Besonders wichtig wird die UIMLA-Qualifikation für Bergwanderführer, die international arbeiten möchten. Ein UIMLA-Ausweis weist nach, dass der Inhaber nach den gemeinsamen Standards ausgebildet und geprüft wurde. Für einen gültigen Ausweis müssen zudem unter anderem vorgeschriebene Fortbildungen, ein aktueller Erste-Hilfe-Nachweis und eine entsprechende Haftpflichtversicherung nachgewiesen werden.

<p>Eine Wandergruppe beim gemeinsamen Aufstieg zum Hohen Licht in den Allgäuer Hochalpen.</p>

Eine Wandergruppe beim gemeinsamen Aufstieg zum Hohen Licht in den Allgäuer Hochalpen.

© Roman Knopf

Was kostet die Ausbildung?

Billig ist der Weg zum professionellen Bergwanderführer nicht. Für die reinen Ausbildungskurse nennt der VDBS derzeit rund 7800 Euro. Hinzu kommen Übernachtungen, Verpflegung, Reisen und weitere Nebenkosten.

Dafür steht am Ende eine Ausbildung, die sich bewusst nicht auf Wandertechnik beschränkt. Sie reicht von Orientierung und Lawinenkunde über Erste Hilfe und Risikomanagement bis zur Frage, wie eine Gruppe geführt und eine schwierige Entscheidung vermittelt wird.

Bergwanderführer werden heißt führen lernen

Vielleicht lässt sich der Unterschied zwischen einem sehr guten Bergwanderer und einem professionellen Bergwanderführer deshalb recht einfach zusammenfassen: Der eine muss vor allem selbst sicher durch die Berge kommen. Der andere muss die Voraussetzungen schaffen, dass auch seine Gäste sicher wieder zurückkommen.

<p>Geschafft: Das gemeinsame Gipfelziel erreicht.</p>

Geschafft: Das gemeinsame Gipfelziel erreicht.

© Roman Knopf

Text von Thomas Harrer

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